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"Wir sind besser als Schlecker"

erschienen in Lotta, Ausgabe 4,

Nach der Pleite des Drogeriekonzerns Schlecker waren sie arbeitslos, jetzt betreiben die Verkäuferinnen Bettina Meeh und Karin Meinerz in Erdmannhausen einen eigenen Dorfladen.

Als sich am 17. November 2012 die Türen des Ladenlokals öffnen, beginnt für Bettina Meeh (47) und Karin Meinerz (53) ein neuer Lebensabschnitt. Drehpunkt haben sie ihren Laden in dem baden-württembergischen Städtchen Erdmannhausen genannt. Es ist die erste Drogerie, die von ehemaligen Verkäuferinnen des Schlecker-Konzerns betrieben wird. "Endlich haben wir wieder eine berufliche Perspektive", freut sich Bettina Meeh.

Die Pleite der Drogeriekette Schlecker im vergangenen Jahr war für viele Verkäuferinnen ein Schock. Gewissenhaft hatten sie jahrzehntelang vor Ort die Filialen geführt und so das Vermögen des Firmenpatriarchen Anton Schlecker gemehrt. Insgesamt verloren mehr als 20000 Beschäftigte ihre Arbeit. Nur 20 Prozent von ihnen haben einen neuen Job.
Bettina Meeh und Karin Meinerz haben sich von Anfang an gegen die Arbeitslosigkeit gestemmt. Im Frühjahr des vergangenen Jahres beschließen sie, ihr eigenes Ding zu machen. Mit Unterstützung der Gewerkschaft ver.di planen sie und viele andere Verkäuferinnen, ehemalige Schlecker-Filialen in Dorfläden umzuwandeln und selbstständig zu betreiben. Eine gemeinsame Servicegesellschaft soll sich um Einkauf, Buchführung und Werbung kümmern.

Seit der Eröffnung sind nun beide Verkäuferinnen im Dauerstress: Sie verhandeln mit Lieferanten, komplettieren das Sortiment, optimieren das Kassensystem, beraten ihre Kundschaft. Ihr Arbeitstag beginnt um sieben Uhr und endet meist spätabends. "Aber jeder Tag ist schön", erzählt Bettina Meeh, "auch, weil wir vieles besser machen als bei Schlecker." Früher seien ihre Vorschläge von ihren Chefs ignoriert worden, nun können sie das Warensortiment den Wünschen der Kunden anpassen. "Für eine Kundin haben wir Vitamin-E-Kapseln besorgt, für einen anderen Kunden eine spezielle Handcreme", berichtet sie.

"Die Leute im Dorf sind begeistert, besonders ältere Menschen freuen sich", erzählt Karin Meinerz. Endlich müssen sie nicht mehr weit fahren, um Putzmittel, Badezusätze und Kosmetikartikel zu kaufen. Die Drogerie in Erdmannhausen ist nur der Anfang. In den nächsten Monaten sollen in Baden-Württemberg weitere Ladeneröffnungen folgen.

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