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Willkommen am Arbeitsplatz

erschienen in Klar, Ausgabe 39,

In Thüringen gelingt es, Flüchtlinge mittels Ausbildung und Arbeit zu integrieren, wie das Beispiel Ammar Wanlys zeigt.

Das Labor der Zahntechnik Kipp GbR im thüringischen Apolda ist lichtdurchflutet. Ammar Wanly streicht mit einem Metallspatel weiches Wachs auf ein Gipsmodell. Am Arbeitsplatz nebenan surrt eine winzige Schleifmaschine. Der junge Mann lässt sich nicht stören und steckt einen künstlichen Zahn in die rosafarbene Masse. Konzentriert verändert er dessen Ausrichtung. Präzision ist gefragt. Hier entsteht eine Zahnprothese.   „Er passt gut in unser Team“, lobt Matthias Kipp, Inhaber des Zahntechniklabors, seinen neuen Mitarbeiter. Ammar Wanly stammt aus Syrien. Der 25-Jährige hat in Damaskus Zahntechnik studiert. Berufspraxis hat er in Syrien und Dubai gesammelt. Doch sein Plan, ein eigenes Labor aufzumachen, wurde vom Krieg durchkreuzt. Um der Einberufung in die Armee oder der Zwangsrekrutierung durch Rebellen zu entgehen, flüchtete Ammar.    Den Tag, als er Deutschland erreichte, kann er sofort nennen: am 28. Mai 2014. Über Dortmund und Eisenberg landete er in Erfurt, wo er heute noch wohnt. „Mir gefällt es hier. Das Haus meiner Familie in Damaskus ist inzwischen zerstört“, sagt Ammar. Eine Aufenthaltsgenehmigung hat er bis 2017.   Für Heike Werner (DIE LINKE), Arbeits- und Sozialministerin in Thüringen, steht bei der Hilfe für Flüchtlinge der humanitäre Aspekt im Vordergrund. Integration bedeutet für sie, „die zu uns flüchtenden Menschen in unsere Gesellschaft einzubeziehen“. Auf ihre Initiative hin widmet sich das Ministerium der sozialen Integration von Flüchtlingen: Es geht um die Vermittlung in Praktika, um Ausbildung und Beschäftigung.    Bestehende Förderprogramme wurden erweitert. Sie helfen bei der Anerkennung beruflicher Abschlüsse, bieten praktische Kompetenzchecks und sorgen für die Vermittlung berufsbezogener Sprachkenntnisse. Bis Ende 2017 stehen dafür rund 6,6 Millionen Euro zur Verfügung. Rund 3.600 Personen profitieren aktuell von diesen Programmen. Zu den Partnern vor Ort zählen regionale Akteure der Flüchtlingsarbeit – vor allem Anbieter von Integrations- und Sprachkursen –ebenso wie die örtlichen Wirtschaftszusammenschlüsse.   Ammar Wanly absolvierte in Erfurt zunächst einen Sprachkurs. Bei der Handwerkskammer konnte er einen Fachlehrgang belegen, dann vermittelte sie ihn im Rahmen eines geförderten Projekts an Matthias Kipps Firma. Im August 2015 begann Ammar Wanly dort ein Praktikum. Danach wurde seine Ausbildung anerkannt und er selbst eingestellt – unbefristet. „Die Leistungen haben mich überzeugt“, hebt Zahntechnikmeister Kipp hervor. Ammar habe sich zudem die deutsche Sprache „schnell auf gutem Niveau“ angeeignet.   In der Wirtschaft stoßen die Projekte zur beruflichen Integration von Flüchtlingen auf positive Resonanz. Eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen im Oktober 2015 hat ergeben, dass drei von vier Unternehmen grundsätzlich bereit sind, Flüchtlinge auszubilden und zu beschäftigen. Bei IHK und Handwerkskammer Südthüringen sind bereits Migranten als Flüchtlingskoordinatoren tätig.   Die Erfolge haben sich herumgesprochen. Der Umgang mit Flüchtlingen sei in Thüringen gut organisiert und „beispielhaft für andere Bundesländer“, sagt Frank-Jürgen Weise, Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

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