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„Wer seine Kinder allein erzieht, den muss der Staat besser unterstützen“

erschienen in Lotta, Ausgabe 7,

Neun von zehn Alleinerziehenden bestreiten ihren Lebensunterhalt nicht überwiegend von Sozialhilfe, sondern durch Erwerbsarbeit. Dabei sind sie allerdings mit erheblich größeren finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert als Paareltern. Häufig sind sie in Teilzeit beschäftigt, weil es an entsprechender Kinderbetreuung fehlt und die Doppelbelastung Erziehung und Erwerbsarbeit in Gänze kaum zu schaffen ist. Darüber hinaus verdienen Alleinerziehende - zu 90 Prozent sind es Frauen - weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Osten Deutschlands kommt hinzu, dass die meisten Alleinerziehenden im Niedriglohnbereich beschäftigt sind.

 

Ein wichtiges Instrument, um Alleinerziehenden und ihren Kindern dabei zu helfen, einen wirtschaftlich  stabilen Haushalt zu führen, ist der Unterhalt und dort, wo Elternteile diesen Zahlungen nicht nachkommen können, der Unterhaltsvorschuss. Diesen kann man vom Jugendamt bekommen. Allerdings nur  bis zum 12. Lebensjahr des Kindes und insgesamt höchstens sechs Jahre.  Seit zehn Jahren beschäftigt mich dieses Thema, zunächst  als Familienrichter und nun als Abgeordneter der Fraktion DIE LINKE. Unsere Forderung seit Jahren lautet: Die maximale Bezugsdauer von derzeit sechs Jahren ist zu entfristen und der Unterhaltsvorschuss ist bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres zu gewähren. Bisher sah sich keine Bundesregierung - von rot-grün bis schwarz-gelb - in der Lage, die Situation von Alleinerziehenden und ihren Kindern diesbezüglich zu verbessern. Allein die Linke hat in jeder Legislaturperiode – also in den Jahren 2006, 2013 und jetzt 2014 – Anträge zur Verbesserung der Lebenssituation Alleinerziehender eingebracht.

 

Auch bei der geplanten Elterngeldreform sind  die Hürden für Alleinerziehende viel zu hoch angelegt. Um den Partnerschaftsbonus erhalten zu können, müssten alleinerziehende Eltern eine Wochenarbeitszeit von 25 bis 30 Stunden und das alleinige Sorgerecht nachweisen.

Laut Bundesfamilienministerium arbeiten alleinerziehende erwerbstätigte Mütter jedoch  durchschnittlich acht  Stunden pro Woche. Wie bei einer solchen Erwerbssituation der Partnerschaftsbonus erzielt werden soll, bleibt das Geheimnis des Familienministeriums. Und der Sorgerechtsnachweis läuft den Intentionen des gemeinsamen geteilten Sorgerechts zuwider. Was Einelternfamilien besonders brauchen sind gebührenfreie Kitas, das Rückkehrrecht auf Vollzeit und gleichwertigen guten Lohn. Dafür steht DIE LINKE.

Jörn Wunderlich ist familienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE.