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»Weniger Beitrag, mehr Leistung«

Von Harald Weinberg, Kathrin Vogler, erschienen in Klar, Ausgabe 41,

Die Fraktion DIE LINKE lehnt das duale Versicherungssystem, also das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung, ab und will es durch eine Solidarische Gesundheitsversicherung ersetzen. Wodurch zeichnet sich dieses Konzept aus?

Kathrin Vogler: Alle Menschen, die in Deutschland leben, sollen Mitglied der Solidarischen Gesundheitsversicherung werden, beispielsweise auch Politikerinnen und Politiker, Selbstständige sowie Beamtinnen und Beamte. Sie alle erhalten im Krankheitsfall die bestmögliche Gesundheitsversorgung. Die private Krankenversicherung wollen wir als Vollversicherung abschaffen.

 

Wie berechnen sich die Beiträge für die Solidarische Gesundheitsversicherung?

Harald Weinberg: Die Höhe der jeweiligen Krankenversicherungsbeiträge richtet sich nach der individuellen Leistungsfähigkeit, also nach dem individuellen Einkommen. Zur Berechnung des Beitrags werden alle Einkommensarten herangezogen, inklusive Kapitalerträge und Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Wer viel Einkommen hat, zahlt viel. Wer wenig hat, zahlt wenig. Und wer keins hat, zahlt nichts.

Vogler: Außerdem wollen wir die paritätische Finanzierung wiederherstellen: Zukünftig sollen Arbeitgeber wieder die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge auf Löhne und Gehälter der Beschäftigten zahlen. Die Zusatzbeiträge der Versicherten wollen wir abschaffen.

 

Was passiert mit den Zuzahlungen?

Vogler: Zuzahlungen belasten einseitig die Versicherten und werden deshalb in der Solidarischen Gesundheitsversicherung abgeschafft. Für Zahnprothesen, für Medikamente, Physiotherapien, Fahrten und Krankenhausaufenthalte müssen Versicherte dann keinerlei Zuzahlung mehr leisten.

 

Was bedeutet das konkret für die Beitragszahlerinnen und -zahler?

Vogler: Die große Mehrheit der abhängig Beschäftigten wird deutlich entlastet. Laut einer brandaktuellen Studie könnte der Beitragssatz von aktuell rund 15,7 Prozent auf unter 12 Prozent sinken – zur Hälfte zu zahlen von der versicherten Person, zur Hälfte vom Arbeitgeber.

 

Also eine erhebliche Entlastung für die meisten Versicherten?

Weinberg: Absolut! Wer über ein monatliches Einkommen von bis zu 6.250 Euro brutto verfügt, wird deutlich entlastet. Wer mehr verdient, zahlt höhere Beiträge als bisher.

 

Welche Leistungen soll die Solidarische Gesundheitsversicherung anbieten?

Vogler: Alles medizinisch Notwendige wird bezahlt, auch Leistungen, die bisher ausgeschlossen sind. Dazu zählen zum Beispiel Brillen und rezeptfreie Arzneimittel. Es geht um eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung für alle.

 

Warum gibt es trotz der vielen Vorteile für die Mehrheit so viel Widerstand gegen Ihr Konzept?

Weinberg: In der Bevölkerung ist das Konzept der Solidarischen Gesundheitsversicherung sehr populär. Die Zustimmungswerte liegen in vielen Umfragen bei weit über 70 Prozent. Gegenwind kommt vor allem aus dem Bereich des Finanzkapitals, in erster Linie aus der Versicherungswirtschaft, und von den Arbeitgebern.

Interview: Ruben Lehnert.

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