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Weltall, Erde, Maut

erschienen in Clara, Ausgabe 33,

Eine Glosse.

Dank der klugen Politik der demokratischen Blockparteien (CDU/CSU/SPD) sind inzwischen alle Probleme gelöst, also Pflegenotstand, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Staatsverschuldung und so weiter – alles wieder im Lot. Die beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung kann sich also der Königsdisziplin allen Regierungshandelns widmen – der Maut. Sie ist derzeit Deutschlands einzige Schwachstelle.   Problem   Und die hat mit einem Geburtsfehler des Grundgesetzes zu tun. Jahrzehntelang blieb er unbemerkt. Inzwischen aber kennt ihn jeder: Ausländer dürfen für lau über deutsche Autobahnen fahren. Ja, tatsächlich. Massenhaft und jeden Tag. Sie kommen über die Grenze, schnorren Kilometer um Kilometer und machen alles kaputt. Einfach so. Ausländer nehmen uns nicht nur Arbeitsplätze und Frauen, sondern – mit ihren aggressiven Ausländerreifen – auch unsere Straßenbeläge, mithin deutschen Boden weg.   Partikel   Mit der CSU gibt es leider nur eine einzige Kraft, die sich wirklich und mit heiligem Ernst gegen diese Nationalkatastrophe aufbäumt. Diese Partei kommt aus Bayern, und das ist kein Zufall: Noch Anfang des 20. Jahrhunderts, also vor Beginn der Massenmotorisierung, lag dieser Landstrich durchweg mindestens 3?000 Meter über dem Meeresspiegel. Doch durch den ständig zunehmenden Ausländerverkehr wurde die imposante Hochebene – von der Zugspitze abgesehen – inzwischen weitgehend abgetragen. Gerade Österreichische und Schweizer Autofahrer haben Partikel um Partikel heiliger deutscher Erde gelöst, in den Profilen ihrer Pneus über die Grenze verbracht und bei sich daheim zu beindruckenden Bergmassiven angehäuft. Und wir fahren im Urlaub auch noch dorthin und bestaunen die Beutekunstlandschaft!    Patrioten   Doch zum Glück gibt es den gütigen Landesvater Horst Seehofer und seinen treuen Gefährten Alexander Dobrindt. Ihnen und ihrer weiß-blauen Münchner Gerechtigkeitsliga ist es zu verdanken, dass Bundesregierung und Ministerialbürokratie derzeit einzig und allein darüber nachdenken, wie sich der multinationale Raubbau an den heimatlichen Asphaltdecken stoppen lässt. Fast täglich werden mittlerweile neue Konzepte vorgelegt, um die Schuldigen noch zielgenauer zur Rechenschaft zu ziehen: die Autoausländer. Denn unter keinen Umständen darf es passieren, dass für deren Schandtaten ehrbare deutsche Kraftfahrer büßen müssen.   Provisorien   Eine ausgereifte, endgültige Lösung ist noch nicht in Sicht. Doch es gibt einige Möglichkeiten, schon jetzt für eine gerechtere Lastenverteilung zu sorgen. So kann der deutsche Kraftfahrer sich beim Autoausländer revanchieren, etwa indem er im Ausland selbst zum Autoausländer wird und dort eine erosionsfördernde Fahrweise pflegt – zum Beispiel durch schnelles Anfahren (Hochstart) oder extra-scharfes Bremsen. In der Übergangszeit könnte eine Maut für Modellautos Spielräume schaffen. Christine Haderthauer, ehemalige Chefin der Bayerischen Staatskanzlei, wurde gerade vorsorglich für diese Aufgabe freigestellt. Bei der gelegentlich diskutierten Fußgängermaut, natürlich nur für Ausländer, müssen noch die Belastungsstufen präzisiert werden. Ein aggressiver Pfennigabsatz ist stärker heranzuziehen als gehwegfreundliche Sandalen.   Perspektive   Deutschland braucht eine Maut für Ausländer, die aus rechtlichen Gründen auch die Deutschen zahlen, aber irgendwie auch nicht. Das klingt verwirrend, wird aber funktionieren. Schließlich ist kein Geringerer als Verkehrsminister Dobrindt dafür verantwortlich. Dem Vernehmen nach ist er bereit, dafür schon demnächst die alles entscheidenden Begriffe „Vignette“, „Kfz-Steuer“, „Kostenkompensation“, „Diskriminierungsverbot“ und „Europarecht“ klärend zu googeln – beziehungsweise EU-Digitalkommissar Oettinger darum zu bitten.

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