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Was ist uns Bildung wert?

erschienen in Clara, Ausgabe 10,

Manchmal klingt alles so schön: »Die SPD hat … als Bildungsbewegung begonnen, und das verstärkt sich jetzt wieder.« So der ehemalige Kulturstaatsminister Nida-Rümelin knapp eine Woche nach dem glanzlosen Bildungsgipfel in Dresden. Dort hatten sozialdemokratische Länder-Regierungschefs wie Wowereit und Platzeck immerhin noch eine Absage an Studiengebühren gefordert. Der eigene Parteifreund Nida-Rümelin hingegen schlägt eine andere Richtung ein: Aus der Berliner Humboldt-Universität will er eine Bildungsstätte machen, die es mit Harvard, Yale und Oxford aufnehmen kann - allerdings nicht als Bundes-, sondern als Stiftungsuniversität. Was das bedeuten würde, kann man bei der Goethe-Universität in Frankfurt am Main besichtigen. Dort werden zwar stabile Landeszuschüsse zugesichert, zusätzlich eingeworbene Mittel dürfen aber nicht zu mehr Studienplätzen führen.
Soll es der SPD als Bildungspartei darum gehen? Bessere Bedingungen für eine konstante Zahl an auserwählten Studierenden? Bildung als »Ehren-Sache der Bürger« (Bundespräsident Köhler), damit deren Söhne und Töchter bessere Bedingungen haben? Da allerdings war selbst das deutsche Bildungsbürgertum schon einmal weiter. Die Arbeiterbildungsvereine des frühen 19. Jahrhunderts, in denen die Sozialdemokratie ihre Wurzeln hat, waren nicht nur proletarische Selbsthilfegruppen, sondern wurden mitgetragen von Bürgern, die die Schwächen des bestehenden Bildungssystems erkannt hatten und durch eigenes Engagement überwinden wollten. Beim Wiederaufleben der Arbeiterbildungsvereine in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es nicht anders: Hier machte sich z. B. die liberale Fortschrittspartei von Rudolf Virchow und Werner von Siemens verdient.
Und heute? Das Reden über Bildung ist zur Attitüde geworden. Der Pisa-Schock hat nur die Tonlage verändert: Aus der Selbstgefälligkeit wurden beschwörerische Wichtigtuerei und bloßer Aktionismus am Rande des (Bildungs-)Systems. Auch die vielgelobte Ursula von der Leyen hat nur eine Schneise zur Veränderung konservativer Familienpolitik geschlagen - nicht einen Durchbruch zu einem neuen, in der Vorschule ansetzenden modernen Bildungsideal geschafft.
Am Ende geht es darum, was die Bildung der Gesellschaft tatsächlich wert ist. Wie viel Engagement, wie viel Ressourcen - also letztlich auch Geld - sie dafür aufwendet. Die Bildungsausgaben in diesem Lande sind seit Jahren- relativ und inflationsbedingt auch absolut - rückläufig; von den Aufschwungjahren hat die Bildung in Deutschland nicht profitiert. Allen Klagen der Wirtschaft über den Fachkräftemangel zum Trotz.
Naturnotwendig ist das nicht. Die Finanzkrise hat deutlich gemacht, welche Kraft mobilisiert werden kann, wenn die Panik groß genug ist und wenn Einigkeit über den Handlungsbedarf besteht. Bei der Bildung ist das leider anders. Hier haben sich die Eliten - egal, woher sie einmal kamen - größtenteils im Dasein als Elite und miteinander eingerichtet, bis in Regierungskoalitionen und Bildungsgipfel hinein. Diese Behäbigkeit, diese Abschottung steht den entscheidenden Reformen im Weg - einem langen Miteinander beim Lernen in der Schule, der Möglichkeit zum lebenslangen Lernen für alle. Der Offenheit dafür, was in jedem Menschen steckt. Dem Wunsch, in jedem und jeder das zu wecken, was im Morgen Früchte tragen wird.
Noch klemmt Bildungspolitik hierzulande fest in den sozialen, kulturellen und finanziellen Grenzen von heute. Das darf und muss auch nicht so bleiben. Bildung ist in Deutschland Ländersache. Und mit der LINKEN steht - nun auch bundesweit - in den Ländern eine Kraft bereit, mit der die notwendigen Veränderungen anzupacken sind.

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