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Von wegen Ruhestand - Eine Rente zum Verzweifeln

erschienen in Klar, Ausgabe 30,

Die deutsche Rentenpolitik zwingt immer mehr Rentnerinnen und Rentner in Arbeit

 

Jahrelang fühlte sich Franziska Lorenz-Hoffmann (65) bei dem Gedanken an ihren Ruhestand sicher. Die Berlinerin arbeitete als Wachschützerin. Die Bescheide der Rentenversicherung versprachen ihr fast 800 Euro Rente.

Doch Krankheiten – Asthma und Knochenerkrankung – zwangen sie mit 60 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. Die Rentenversicherung erkannte diese Erkrankungen nicht als voll erwerbsmindernd an. Der Schock kam mit der Post: mickrige 533 Euro Rente wegen Abschlägen.

Sechs Kinder hat Franziska Lorenz-Hoffmann großgezogen. Für viele Jahre war das ein Ganztagsjob. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, schuftete sie 15 Jahre als Wachschützerin. Ein Leben voller Arbeit und dennoch eine Rente zum Verzweifeln.

Obwohl Franziska Lorenz-Hoffmann eine Behinderung von 60 Prozent hat, ihre Knochen bei jedem Schritt schmerzen, geht sie arbeiten für bis zu 250 Euro im Monat. Für andere Rentnerinnen und Rentner macht sie Einkäufe. "Ich habe mir das früher nicht träumen lassen, im Alter noch arbeiten zu gehen", sagt sie.

So wie ihr geht es mittlerweile Hunderttausenden Rentnerinnen und Rentnern: Sie gehen arbeiten, um ihre Rente aufzubessern. Von September 2003 bis September 2012 stieg die Zahl der Beschäftigten über 65 Jahre von 690.000 auf 984.843. Darunter derzeit 144.766 Menschen, die älter als 75 Jahre alt sind.

Bundesregierung und Teile der Medien feiern das als Erfolg. Sozialverbände hingegen bewerten die Situation kritisch: Vor allem die existenzielle Not treibe die Älteren in Arbeit. Tatsächlich beziehen in Deutschland Frauen im Durchschnitt eine gesetzliche Rente von nur 541 Euro, Männer erhalten 1000 Euro im Monat.
Arbeiten im hohen Alter – das befürchtet auch Friederike Schwardt. Sie ist 34 Jahre alt, lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem dreijährigen Sohn in Berlin. In den vergangenen zehn Jahren hat sie als Heilerziehungspflegerin, kurzzeitig auch als Einzelhandelsverkäuferin gearbeitet. Heute ist sie Fachkraft für Integration in einer Kindertagesstätte. Verdient hat sie in all diesen Jahren zwischen 860 und 1400 Euro brutto.B

leibt ihr Einkommen so, selbst bei Vollzeit bis zum 67. Lebensjahr, dann wird sie nur 540 Euro Rente bekommen. "Ich rechne damit, auch mit 80 Jahren noch Geld verdienen zu müssen", sagt Friederike Schwardt. So wie ihr wird es Millionen anderen ergehen.

Auf Deutschland rollt eine Welle der Altersarmut zu. Denn alle Regierungen des vergangenen Jahrzehnts haben das Rentenniveau drastisch gekürzt, die Rente erst ab 67 Jahren eingeführt und Beiträge zur Rentenversicherung für Langzeitarbeitslose gestrichen.

Hinzu kommt, dass niedrige Löhne zu niedrigen Renten führen. In den vergangenen Jahren ist der Niedriglohnsektor explodiert, vor allem Millionen Frauen schuften zu Dumpinglöhnen. Auch deswegen werden die jungen Menschen von heute die armen von morgen sein – das will DIE LINKE ändern.

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