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Vom ehrenamtlichen Stadtrat zur Bundespolitik

erschienen in Clara, Ausgabe 45,

Waren Sie schon vor dem Einzug in den Bundestag in der Partei aktiv?

Sören Pellmann: Ich bin kurz nach der Wende im Alter von 16 Jahren in die Partei eingetreten. Seitdem war ich in verschiedenen Parteigremien tätig und bin seit fast zehn Jahren ehrenamtlicher Stadtrat in meiner Heimatstadt Leipzig, seit 2012 dort auch Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE.

Wollen Sie trotz Ihres Einzugs in den Bundestag Mitglied im Stadtrat bleiben?

Für mich ist es erstens etwas Besonderes, dass man dort, wo man lebt, direkt gewählt ist und deswegen eine besondere Verbindung zu seinem Wahlkreis hat. Zweitens wird man durch seine Stadtratstätigkeit geerdet. Und drittens hat man tatsächlich die Probleme von vor Ort präsent, was mir persönlich sehr wichtig ist. Diese drei Gründe sprechen für mich dafür, dass ich Stadtrat bleibe.

Sie wurden als Politiker der Partei DIE LINKE in Leipzig bei der Bundestagswahl direkt gewählt. Aber landesweit wurde die AfD in Sachsen stärkste Partei. Wie erklären Sie das?

Was die rechten Hochburgen betrifft, gibt es in Sachsen ein starkes Ost-West-Gefälle. In der Region um die sächsische Hauptstadt Dresden bis zu den Grenzen nach Polen und Tschechien hat die AfD gewonnen. Diese Regionen waren auch schon vorher Hochburgen der NPD. Man kann es auch gut an der Entwicklung der ausländerfeindlichen Demonstrationen in den beiden Städten Leipzig und Dresden festmachen. Als in Dresden Pegida entstanden ist, gab es aus der Bevölkerung keinen zivilgesellschaftlichen Aufschrei. In Leipzig hingegen demonstrierten 20 000 bis 30 000 Menschen gegen Legida-Kundgebungen mit etwa 5 000 Teilnehmern. Die Zivilgesellschaft in Leipzig hat immer klare Kante gezeigt, sich jedem Naziaufmarsch entgegen-gestellt und so auch viele Aufmärsche verhindert. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in Sachsen.

 In Sachsen sollen bei Siemens Hunderte Arbeitsplätze wegfallen und Standorte geschlossen werden. Kann die Politik da etwas verändern?

Es sollen Standorte in Görlitz und in Leipzig mit insgesamt über 900 Mitarbeitern geschlossen werden. Da Siemens ein eigenständiges Unternehmen ist, kann die Politik da erst mal nicht reinregieren. Aber: Sowohl das Werk in Görlitz als auch das Werk in Leipzig wurden mit erheblichen staatlichen Subventionen ausgestattet. Da müssen wir die Frage stellen: Wie viel Geld ist da denn reingeflossen? Was ist damit passiert? Ich sprach mit dem Betriebsrat der Kolleginnen und Kollegen aus Leipzig, der mir bescheinigte, dass die Auftragsbücher dort weit über das Jahr 2018 hinaus gut gefüllt sind, sodass die angedrohte Schließung betriebs- und marktwirtschaftlich nicht nachvollziehbar ist. Doch die Belegschaften in beiden Standorten sind sehr kämpferisch, und für das Werk in Leipzig gibt es über alle Parteigrenzen hinweg Unterstützung: von Wirtschaftsminister Martin Dulig und Burkhard Jung, dem Oberbürgermeister von Leipzig (beide SPD), über den Ministerpräsidenten des Freistaates, Stanislaw Tillich (CDU), bis hin zur LINKEN. Ich denke, da kann was gehen.

Haben Sie irgendwelche Marotten?

Mich begleitet seit dem Wahlkampf ein Maskottchen, ein kleiner roter Bär, den mir meine Schwester geschenkt hat. Davon will ich nicht mehr lassen. Die Idee zu dem Maskottchen reifte vor zwei Jahren, als ich mich entschloss, für DIE LINKE als Direktkandidat anzutreten. Ich würde normalerweise sagen: Ein 40-Jähriger, der mit einem Kuscheltier durch die Lande zieht, hat schon eine kleine Macke.

 

Sören Pellmann ist von Beruf Grundschullehrer und stammt aus Leipzig. Der 40-Jährige erhielt bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Leipzig-Süd 25,3 Prozent der Erststimmen.

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