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Sparer blechen für Bankenrettung

erschienen in Klar, Ausgabe 31,

Merkels Europapolitik lässt Sparguthaben schmelzen

Besitzen Sie 100 oder gar 20.000 Euro? Wenn ja, dann sollten Sie die folgenden Zeilen lesen. Ihr Vermögen verliert gerade an Wert – ob Sie wollen oder nicht. Das Magazin Focus Money schreibt gar von der »größten Enteignung deutscher Sparer aller Zeiten«.

Diese Enteignung läuft lautlos, rund um die Uhr und hängt mit den Zinsen zusammen, die Banken derzeit für klassische Sparguthaben zahlen. Weil diese so niedrig sind, reicht schon eine moderate Steigerung der Lebenshaltungskosten, um bei Sparanlagen nicht nur die Gewinne aufzufressen, sondern auch die Kaufkraft des ursprünglich angelegten Betrags selbst.

Folgende Rechnung zeigt das Problem: Die Sparkasse zahlt aktuell für Beträge auf einem klassischen Sparbuch 0,5 Prozent Zinsen. Die Lebenshaltungskosten aber steigen nach derzeitigen Erwartungen in den nächsten Jahren um jährlich 2 Prozent. Ein heute angelegter Betrag verliert so jährlich 1,5 Prozent an Kaufkraft. 100 Euro wären nach einem Jahr nur noch 98,50 Euro wert, nach 10 Jahren nur noch 86 Euro – trotz Zinsen.

Der Grund für diese Entwicklung liegt in der Krisenpolitik von Bundeskanzlerin Merkel: Bankenrettungspolitik und die durch Kürzungsdiktate ausgelöste Rezession in der Eurozone haben die Schuldenlast der Staaten immer weiter in die Höhe getrieben. Deswegen stellt die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit den Banken zu Dumpingzinsen unbegrenzt Geld zur Verfügung. Die Folge: Banken, die von der EZB das Geld quasi hinterhergeschmissen bekommen, können es sich leisten, ihre Sparkunden mit Mikrozinsen abzuspeisen. Und die verlieren dadurch. Nach Berechnungen der Postbank büßen die Sparvermögen bei Banken in Deutschland in diesem Jahr circa 14 Milliarden Euro an Wert ein.

Doch diese Enteignung betrifft nicht nur das klassische Sparbuch, sondern auch neu abgeschlossene Lebensversicherungen. Der Garantiezins beträgt aktuell nur noch 1,75 Prozent und liegt damit unter dem mittelfristig erwarteten Anstieg der Lebenshaltungskosten. Betroffen sind auch etliche Riester-Rente-Anlagen und private Rentenversicherungen.

Die EZB-Politik der Niedrigzinsen hat auch Gewinner. Das sind neben Banken, die sich so billig mit Geld versorgen können, vor allem Besitzer von Aktien. An den Börsen sorgt die Niedrigzinspolitik seit Monaten für Handelsrekorde und beschert Aktienbesitzern riesige Gewinne.

Noch skandalöser wird die Geschichte, wenn man sich anschaut, welche Teile der Gesellschaft wie ihr Geld anlegen. Untersuchungen zeigen: Vor allem Menschen mit niedrigem und durchschnittlichem Einkommen investieren in fest verzinste Sparguthaben oder klassische Anlagen zur Altersvorsorge. Vor allem dieser Teil der Gesellschaft muss jetzt blechen. Wer hingegen viel besitzt und sich risikoreiche Anlagen »leisten« kann, profitiert von der jetzigen Situation.

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