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Sind Männer wirklich schuld am Klimawandel?

erschienen in Querblick, Ausgabe 5,

Gleichwertiges Gesellschaftsbild ist gefragt

Männer sind im Zweifel immer schuld. Sie führen Kriege, kriegen keine Kinder und haben mehr Sorge um die Fußballergebnisse der Bundesliga als um die Zensuren der lieben Kleinen. Fällt der männliche Vertreter einmal positiv auf, dann heißt es: Hinter jedem Mann steht eine starke Frau. So weit zu den Klischees.

Natürlich spiegelt sich die soziale Stellung von Mann und Frau in unserer Gesellschaft auch im ökologischen Fußabdruck wider. Dieser ist bei den weiblichen Vertretern oft kleiner, weil Frauen ein geringeres Einkommen haben. Nirgends fällt ihre gesellschaftliche Benachteiligung mehr auf als im Beruf. Weibliche Beschäftigte verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als männliche Kollegen auf der gleichen Stelle, und das oft auch nur in Halbtagsjobs. Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang ist, dass nach wie vor meist Frauen die Verantwortung für die Erziehung der Kinder tragen und auf berufliche Karriere verzichten. Daraus ergibt sich ein anderes Klimaverhalten als bei Männern. An dieser Stelle zu sagen: »Wer mehr Geld hat, versaut auch mehr das Klima«, greift aber zu kurz, denn auf der anderen Seite heißt es oft, »nur die Reichen« könnten sich Umweltschutz leisten.

Untersuchungen über das Umweltverhalten von Frauen und Männern geben hier mehr Aufschluss und zeigen ein interessantes Bild. Es belegt, dass das Umweltverhalten bei Frauen von drei Faktoren stark beeinfluss wird: Alter, Einkommen und Kindererziehung. Bei Männern ist das Umweltbewusstsein eher kontinuierlich ausgeprägt und wird mit zunehmendem Alter schlechter.

Junge Frauen sind überdurchschnittlich stark in Umweltgruppen engagiert. Dieser Vorteil bricht mit 30 Jahren, wenn die meisten Frauen ihr erstes Kind bereits haben, deutlich ab. Gleichwohl treffen sie dann immer  noch Kaufentscheidungen, die auf den Kriterien Umwelt und Gesundheit sowie Preisbewusstsein beruhen. Denn Kindererziehung befördert ein umweltbewusstes Verhalten. Für Männer zählt die Qualität, dann kommt der Preis. Interessant ist, dass in der Familie oder Lebensgemeinschaft meist die Frauen die Konsumentscheidungen treffen. Sie entscheiden in 80 Prozent der Fälle, wohin der Urlaub geht. Allerdings beschließt der werte Gatte dann die Fahrt zum Meer mit dem Auto statt mit der Bahn. Sie erklärt, dass es eine neue Waschmaschine gibt. Den Kauf tätigt allerdings meist er – und da sind dann ordentliche Leistung und Extras gefragt. Keine Frage also: Männer legen auch bei der Klimaverschmutzung drauf. Vielleicht sollte die Energieverbrauchskennzeichnung von Haushaltsgeräten besser auf den »Caveman« ausgerichtet sein:

Bei hohem Verbrauch ein Bild von Edmund Stoiber, bei Effizienzklasse A+ ein lächelnde Blondine. Bleiben nur zwei Fragen: Warum überträgt sich das umweltbewusste Bild der Mütter nicht auf den männlichen Nachwuchs, und was passiert, wenn sich das Bild in der Gesellschaft wandelt? Auch hierzu gibt es Erkenntnisse und die zeigen: Sobald Frauen ihre finanzielle und gesellschaftliche Stellung selbstbestimmt verwirklichen, löst sich ihr Klimavorteil in Luft auf. Erfolgreiche weibliche Vertreter, die dann die Kindererziehung etwas aus der Hand geben, brauchen auch ihre Statussymbole, wie spritfressende Sportwagen und eine deutlich größere Auswahl an globalisierten Verbrauchsprodukten. Sie jetten genauso wie männliche Manager durch die Welt von einer Sitzung zur nächsten.

Fazit: Gleichberechtigung ist nicht gleich Klimaschutz. Es geht vielmehr um nachhaltige Lebensstile und ein gleichwertiges Gesellschaftsbild. Die von Menschen gemachte Erderwärmung ist weder männlich noch weiblich. Klimaschutz geht uns alle an, und gemeinsam für unsere Kinder müssen wir einen wirksamen Beitrag leisten, die Klimagas-Emissionen bis 2050 weltweit zu halbieren.
Hans-Kurt Hill

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