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Schöne digitale Arbeitswelt! Wo bleibt der Mensch?

Von Jessica Tatti, erschienen in Klar, Ausgabe 44,

Gegensätzlicher konnten innerhalb weniger Tage die Meldungen in der »Tagesschau« nicht sein: »Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr rund 19.000 neue Mitarbeiter einstellen. Grund ist unter anderem der digitale Ausbau des Unternehmens.« Und: »Drei Millionen Jobs könnten bis 2022 der Digitalisierung zum Opfer fallen, warnt der IT-Verband Bitkom.«

Rationalisierungsprozesse und veränderte Anforderungen durch den technischen Fortschritt sind weder ein neues Phänomen, noch ist die Digitalisierung eine Naturgewalt, die über uns hereinbricht. Die Frage heißt jedoch, wie wir von Schreckensszenarien zur sozialen Gestaltung der Digitalisierung kommen. Konzerne haben längst begonnen, für ihre Interessen einzutreten. Der Bundesverband der Arbeitgeber will weitere Einschnitte in das deutsche Arbeitsrecht durchsetzen, etwa Lockerungen im Arbeitszeit- und Kündigungsschutzgesetz.

Dieser unsozialen Agenda setzt DIE LINKE entgegen, dass nicht die Technik entscheidet, wie wir arbeiten und leben. Die Politik muss die Rahmenbedingungen auch bei der Digitalisierung im Sinne des Gemeinwohls setzen und darf die Unternehmen nicht aus ihrer sozialen Verantwortung entlassen.

Wir wollen den Strukturwandel gemeinsam mit Beschäftigten und Gewerkschaften gestalten. Das erfordert mehr Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte, auch in Fragen von Investition und Qualifizierung. Allen Beschäftigten muss das Recht auf Weiterbildung eingeräumt werden. Die Wirtschaft steht in der Pflicht, sich an den Kosten zu beteiligen, beispielsweise über einen Weiterbildungsfonds. Die Frage, ob allein Konzerne oder die ganze Gesellschaft von der Digitalisierung profitieren, wird nicht von der Technik beantwortet, sondern von uns. Es liegt an uns, für eine solidarische Zukunft einzustehen.

 

Jessica Tatti ist Sprecherin für Arbeit 4.0 der Fraktion DIE LINKE

 

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