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Osten ohne Frauen

erschienen in Querblick, Ausgabe 3,

Immer mehr junge Frauen verlassen Ostdeutschland

Der Osten droht auszubluten, denn vor allem junge Frauen verlassen weiterhin die neuen Bundesländer in Richtung Westen. Im Jahr 2005 wanderten 15 % mehr Frauen als Männer aus den neuen in die alten Bundesländer ab. Insgesamt verließen 26500 Frauen und 22500 Männer Ostdeutschland. Die Bundesregierung sah dem weitgehend tatenlos zu. Aus ihrer Antwort (Drucksache 16/4695) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion wird klar: Sie entwickelte bislang keinerlei frauenspezifische Maßnahmen für das Abwanderungsproblem. Deutlicher konnte sie nicht zum Ausdruck bringen, dass ihr die Zukunft des Ostens egal ist.

Gründe für den Weggang junger Frauen sind die nach wie vor extrem hohe ?Jugendarbeitslosigkeit im Osten und schlechtere berufliche Perspektiven. Gerade qualifizierte junge Frauen finden im Westen attraktivere und besser bezahlte Jobs. Wenn die Abwanderung junger Frauen weiter anhält, verschärfen sich die ohnehin gravierenden demografischen Probleme im Osten massiv.

Die geschlechtsblinde Politik der Bundesregierung verfehlt das Problem weiterhin, auch wenn kurzfristig ein Programm zusammengezimmert wurde, dass ostdeutsche junge Frauen zum Verbleib in Ostdeutschland bewegen soll. Mit lächerlichen 4 Millionen Euro sollen verschwommene Modellprojekte wie Rufbusse oder mobile ärztliche Versorgung unterstützt werden. Doch damit stellt die Bundesregierung nur ein weiteres Mal unter Beweis, dass sie den Osten eigentlich nicht kennt. Denn sonst wüsste sie, dass selbstbewusste junge Ostfrauen nach gut bezahlten qualifizierten Arbeitsplätzen streben und nicht mit Almosen wie mobiler ärztlicher Versorgung abzuspeisen sind.

Die Abwanderung von jungen Menschen aus dem Osten zeigt deutlich: Die Schere zwischen Ost und West klafft immer weiter auseinander. Die Frauen stimmen mit den Füßen ab – und sprechen damit ihr Urteil über den Aufbau Ost. Ostdeutsche Frauen wollen ein eigenes existenzsicherndes Erwerbseinkommen und brauchen die notwendigen Rahmenbedingungen.

DIE LINKE fordert endlich die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen und geschlechtssensible Ansätze für den Osten zu entwickeln. Wer die Abwanderung stoppen will, muss dem Osten eine Perspektive geben, zum Beispiel als Zentrum innovativer Technologien mit anspruchsvollen Arbeitsplätzen und zugleich als Vorreiter in der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Roland Claus, MdB

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