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Ohne uns steht die Welt still

Von Cornelia Möhring, erschienen in Clara, Ausgabe 47,

Frauen verdienen im Schnitt noch immer rund 22 Prozent weniger als Männer. Sie übernehmen bis heute den Großteil unbezahlter Haus- und Sorgearbeiten. Sie arbeiten häufig in Teilzeit und sind somit insbesondere im Alter von Armut bedroht. Aus der ökonomischen Diskriminierung wiederum folgt eine fehlende politische und öffentliche Repräsentanz. Nicht nur in Bezug auf Mandate und Ämter, sondern auch in gesellschaftlichen Funktionen, die eine starke Außenwirkung besitzen. In Medien, Gewerkschaften, bei Führungspositionen bleiben Frauen nicht selten in der zweiten Reihe.

Das nicht nur, weil in vielen Bereichen männliches Dominanzverhalten den Ein- und Aufstieg für Frauen schwierig werden lässt, sondern auch, weil vielen schlichtweg Zeit und Geld für politische Arbeit fehlt oder sie dem Anspruch permanenter Verfügbarkeit nicht gerecht werden können. Sichtbar wird, dass Frauen für einen großen Anteil gesellschaftlich notwendiger Arbeit verantwortlich sind, sie aber nicht in dem selben Verhältnis Zugang zu den Entscheidungen haben, wie diese Arbeit organisiert werden kann und soll. DIE LINKE streitet schon lange für die volle Gleichberechtigung, im Parlament und außerhalb. Doch jetzt wird es Zeit, diesen Kampf auch sichtbar auf die Straße zu tragen.

Wie Frauen streiken können

Ein Mittel ist der politische Streik: Die Niederlegung der Lohnarbeit für Forderungen, die auf der politischen Ebene entschieden werden. Was in anderen Ländern üblich ist, um Regierungen durch Androhung von volkswirtschaftlichen Schäden unter Druck zu setzen, ist in Deutschland mittlerweile verpönt. Dabei gibt es vielfältige Streikmöglichkeiten für Frauen. Das reicht von der kämpferischen Mittagspause, also die Mittagspause mit einer gemeinsamen Protestaktion zu verbinden, über einen Bummelstreik bis hin zum Sick-out. Mit Letzterem hatten die Beschäftigten der TUI 2016 großen Erfolg. Eine weitere Streikvariante ist der Good Work Strike – ein Streik im Sinne der Kundinnen und Kunden. Er eignet sich besonders gut für die Dienstleistungsbranche. Die Busfahrerinnen und Busfahrer in Lissabon wagten ihn. Das Personal erschien pünktlich zur Arbeit, die Schaffnerinnen und Schaffner aber hatten ihre Kassen nicht mit dabei. Das bedeutete: Es gab Gratisfahrten für alle.

Das Besondere am Frauenstreik ist: Es wird nicht nur die Lohnarbeit bestreikt. Es geht auch um die Lebensbereiche, in denen Frauen meistens unentgeltlich tätig sind. Hierfür gibt es ebenfalls kreative Mittel und Möglichkeiten. Denn ein Kind oder zu pflegende Angehörige können nicht einfach alleingelassen werden im Fall eines Aus- oder Aufstands. Kollektive Kinderbetreuung an öffentlichen Plätzen, selbstentworfene Überlastungsanzeigen pflegender Angehöriger oder der Lohnzettel von Hausfrauen sind nur einige Ideen von vielen, die das Netzwerk für einen feministischen Streik sammelt. Lasst uns zum 8. März 2019 solidarisch und kämpferisch sein! Gemeinsam können wir zeigen, was passiert, wenn wir uns verweigern: Ohne uns steht die Welt still!

Mehr unter: www.frauenstreik.org

Cornelia Möhring ist frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

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