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Ohne Eltern in der Fremde

erschienen in Klar, Ausgabe 38,

CDU/CSU und SPD schränken das Recht auf Familiennachzug für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein.

Abdi aus Somalia ist 16 Jahre alt. Vor drei Jahren musste er zusammen mit seiner Mutter und den zwei kleineren Geschwistern seine Heimat verlassen. Der Vater war vor den Augen der Familie von Soldaten erschossen worden. Gewalt und Angst trieben die Familie in die Flucht – und auseinander. Abdis Mutter und die Geschwister leben in einem Flüchtlingslager in Kenia. Er selbst kam nach einer langen Odyssee in Deutschland an.

Insgesamt, so der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF), kamen bis Ende Januar rund 60 000 Jugendliche allein nach Deutschland. Vor allem aus Afghanistan, Syrien, Irak. Länder, in denen Krieg und Vertreibung Alltag sind. Nur solchen Flüchtlingskindern wird nach derzeitiger Rechtslage überhaupt die Chance auf Familiennachzug eingeräumt. Öffentlich wurde vonseiten der CDU/CSU behauptet, der Nachzug von Eltern sei ein Massenphänomen. Dabei zogen von Januar bis Dezember 2015 lediglich 442 Eltern ihren minderjährigen Kindern nach.


Darüber hinaus ist der Großteil aller unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge 16 oder 17 Jahre alt. Die Einreise der Eltern – nicht der Antrag darauf – muss vor dem 18. Geburtstag erfolgen. Doch bereits bis zur Asylantragstellung vergehen viele Monate. Danach folgen langwierige Asylverfahren. Am Ende kommt der Elternnachzug für die meisten Jugendlichen nicht mehr infrage. Diese Fakten waren der Regierungskoalition bekannt, als sie Ende Februar mit ihrer Stimmenmehrheit das Asylpaket II – und damit das Aussetzen des Familiennachzugs auf zwei Jahre – beschloss.


Abdi hat seine Mutter seit drei Jahren nicht gesehen. Nur für sie dürfte er einen Einreiseantrag stellen, nicht jedoch für seine Geschwister. Die Mutter müsste sich zwischen ihrem Sohn und ihren anderen Kindern entscheiden. Tobias Klaus vom BumF sagt: „Gesetzgebungen sollten nicht auf Basis von Vorurteilen und Mutmaßungen entstehen. Kinder – egal welcher Herkunft – brauchen ihre Eltern.“

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