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Mutige Frauen beiderseits der Mauer

erschienen in Querblick, Ausgabe 2,

Frauendelegation der Linksfraktion zu Gesprächen in Nahost

Mit quietschenden Reifen gibt der Mann im israelischen Militärjeep Gas. »Das machen Sie immer so, um uns einzuschüchtern«, erklärt Hanna Barag, während sie sich den aufgewirbelten Staub von ihrer Kleidung klopft. So leicht ist die alte Dame nicht aus der Fassung zu bringen. ?Sie gehört zu den 400, meist älteren Aktivistinnen der israelischen Organisation Machsom Watch.

»Die englische Übersetzung Checkpoint Watch verzerrt die eigentliche Bedeutung«, erläutert sie. »An einem Checkpoint wird man kontrolliert und darf passieren. Das hebräische Wort Machsom bezeichnet dagegen eine undurchdringbare Barriere.« Einzig am jüdischen Pessachfest bleiben die Aktivistinnen zu Hause. Ansonsten sind sie täglich in zwei Schichten im Einsatz, um das Verhalten der Soldaten an den Checkpoints zu beobachten und durch ihre Anwesenheit Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Machsom Watch ist eine der vielen Frauenfriedensorganisationen, deren Arbeit wir als Frauendelegation der Linksfraktion im Dezember 2006 persönlich kennen lernten. Die Abgeordneten Monika Knoche, Haike Hänsel und Inge Höger reisten nach Israel und in die palästinensischen Gebiete, um mit Politikerinnen und Aktivistinnen vor Ort zu sprechen. »Die Arbeit dieser mutigen Frauen wird in den alltäglichen Medienberichten kaum wahr genommen und ist dennoch so wichtig«, sagte Monika Knoche. Wichtiges Thema war dabei stets die Umsetzung der UN-Resolution 1325, die eine Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen vorschreibt. Aber auch gesellschaftliche Folgen des andauernden Konfliktes waren häufiges Gesprächsthema: neben Armut, Frauenhandel/Zwangsprostitution auch die zunehmende häusliche Gewalt. 

Wir trafen Frauen aus unterschiedlichen Schichten und mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen.  
Dazu gehörte die palästinensische Fatah-Politikerin und Frauenrechtsaktivistin Jihad Abu Zneid. Sie überraschte uns beim Rundgang durch das Flüchtlingslager Shu’fat mit der Baustelle eines Schwimmbads für Frauen. »Durch die beengten Wohnverhältnisse gibt es hier viele Konflikte und Gewalt« erklärte sie, »diese Situation ist für die Frauen im Alltag bedrohlicher als die Aggression durch Israel.«

In dem von ihr gegründeten Frauenzentrum möchte sie den Frauen daher neben Kinderbetreuung und Bildungsangeboten auch die Möglichkeit geben, für einen Moment der Enge zu entfliehen und sich körperlich zu betätigen. Dafür kämpft sie gegen starke Widerstände und scheut auch nicht den Konflikt mit den Imamen, deren Grundstück an die Baustelle grenzt.  

Jutta Kühl

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