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Mit links gelesen

erschienen in Clara, Ausgabe 30,

Ausgewählte Lesempfehlungen.

Malala Yousafzai, Christina Lamb: Ich bin Malala. Verlag Droemer-Knaur, 400 Seiten, 19,99 Euro

Undine Zimmer: Nicht von schlechten Eltern. S. Fischer Verlag, 256 Seiten, 18,99 Euro

»Lasst uns zu unseren Büchern und Stiften greifen. Das sind unsere mächtigsten Waffen. Ein Kind, ein Lehrer, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern«, sagte die 16-jährige Malala Yousafzai Mitte Juli 2013 vor der Jugendversammlung der UNO. Inzwischen wurde sie für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen und erhielt zahlreiche Preise von Menschenrechtsorganisationen. Denn in ihrer Heimat Pakistan hatten die Taliban unter anderem verboten, dass Mädchen Schulen besuchen. Malala hatte über den Terror der Taliban berichtet und sich dem Verbot widersetzt, einen Mordanschlag überlebte sie nur knapp. In ihrer Autobiografie schildert sie ihre Kindheit in einem von Bürgerkrieg geplagten Land, und erklärt, weshalb ohne eine gute Bildung die Armen keine Chance haben, ihre Situation zu verbessern. n Sonntagsbraten? Geburtstagspartys? Weihnachtsgeschenke? In Familien, die von Sozialleistungen leben müssen, fehlt dafür oft das Geld. Die Journalistin Undine Zimmer wuchs bei ihrer Mutter auf, die geschiedenen Eltern waren beide arbeitslos: »Für mich gehören meine Eltern zu jenen unsichtbaren Helden, die in unserem Land jeden Tag um ihr soziales Überleben kämpfen. Im Vergleich zur Mehrheit haben sie in diesem Kampf eine schlechte Ausgangsposition. Sie haben sich, obwohl sie sich oft erniedrigt fühlten, ihre Würde bewahrt.« Undine Zimmer schrieb ein berührendes, offenes, nachdenklich machendes Porträt ihrer Familie und musste leider auch feststellen: »Gerade wenn es um die Zukunft geht, wird die Herkunft plötzlich wichtig.« Sie hat gute Abschlüsse und findet im reichen Deutschland trotzdem nur schwer Arbeit.

 

Christian Fuchs, John Goetz: Geheimer Krieg. Rowohlt Verlag, 256 Seiten, 19,95 Euro

Jeremy Scahill: Schmutzige Kriege. Verlag Antje Kunstmann, 720 Seiten, 29,95 Euro

Acht Jahre lang recherchierten die NDR-Journalisten Christian Fuchs und John Goetz die inoffizielle Beteiligung Deutschlands am Krieg gegen den Terror. Das Fazit fällt vernichtend aus: »Die CIA konnte die Geheimgefängnisse mithilfe ihrer Logistikzentrale in Frankfurt aufbauen, und der private Auftragnehmer der Kidnapping-Flüge der CIA erhält bis heute Millionenaufträge von der Bundesregierung. Von Stuttgart und Ramstein aus wird der geheime Drohnenkrieg der Vereinigten Staaten mit geplant und gesteuert. Deutschland ist gern Gastgeber für das US-Kriegskommando, auch ohne Zustimmung des Parlaments.« Ihr detaillierter Report nimmt den Bundesregierungen vergangener Jahre jeden Hauch von Neutralität und macht auch deutlich, warum den Verantwortlichen angesichts der NSA-Affäre gute Beziehungen zu den USA wichtiger sind als Bürgerrechte. n Jeremy Scahill erregte 2008 weltweit Aufsehen mit seinem Report über die brutale US-Söldnerarmee »Blackwater«. Nun widmet er sich ausführlich der neuen Art der Kriegsführung unter Präsident Obama: »Während die Entsendung von Truppenkontingenten in großem Stil immer seltener wurde, erhöhten die USA zugleich den Einsatz von Drohnen und Cruise-Missiles und die Zahl der Übergriffe durch Spezialeinheiten in einer nie dagewesenen Vielzahl von Ländern. Der Krieg gegen den Terror hat sich verselbstständigt.« Scahill schildert wie in einem Thriller zahlreiche Lagebesprechungen, Kommandoaktionen und Drohneneinsätze. Er zeigt das Leid, das sie bringen, und wirft Fragen nach Rechtmäßigkeit und Perspektive dieser Kriege auf. Auch seine Recherchen tragen dazu bei, dass sie nachdrücklicher gestellt werden und Verantwortliche öffentlich Antworten geben müssen.

 

 

Malcolm Gladwell: David und Goliath – Die Kunst, Übermächtige zu bezwingen. Campus Verlag, 256 Seiten, 19,99 Euro

Riesen sind nicht so stark wie sie scheinen, und wer am kürzeren Hebel sitzt, braucht nur bessere Ideen, um sie aufs Kreuz zu legen. Malcolm Gladwell verpackt seine Anleitung zum Umgang mit scheinbar übermächtigen Gegnern gern auch in provokante Thesen wie etwa diese: Lässt Legasthenie Kinder besser lernen? In Kurzgeschichten, die er rund um die Welt einsammelte, erzählen ganz gewöhnliche Menschen, wie sie widrige Umstände meisterten, nach Schicksalsschlägen stärker wurden und trotz Unterdrückung über sich hinaus wuchsen. Denn Underdogs gelangen auf die Gewinnerstraße, wenn sie listig Regeln brechen und unkonventionell agieren. Große Koalition – nimm dich in Acht!

 

 

Gregor Gysi: Wie weiter? Nachdenken über Deutschland. Das Neue Berlin, 192 Seiten, 12,99 Euro

Wer Visionen hat, solle zum Arzt gehen, und Politik sei die Kunst des Möglichen. Jenen altbekannten Faustregeln von Helmut Schmidt und Otto von Bismarck schließt sich Gregor Gysi nicht an: »Diese Einladung zur Genügsamkeit, zum Durchwursteln, zum Weiterwerkeln bedeutet nicht nur Stagnation. Es ist auch gefährlich, weil globale Probleme – Kriege, Klima, Hunger, Bildung, Arbeit, Gesundheit, Umwelt, Ressourcen etc. – zwingend nach Lösung rufen. Ob sie nun wahrgenommen oder ignoriert werden. Sie stellen sich mit gnadenloser Härte und Konsequenz.« In zwei Dutzend Kapiteln breitet er Visionen und Konzepte darüber aus, wie Altersarmut verhindert, soziale Gerechtigkeit geschaffen, Demokratie verteidigt und die Eurokrise bewältigt werden kann. Gysi liefert viel Stoff für alle, die an langen Winterabenden von einer anderen, besseren Welt träumen.

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