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Mit Berliner Rückenwind die Hürde nehmen

erschienen in Querblick, Ausgabe 5,

Tina Flauger streitet für soziale Gerechtigkeit in Niedersachsen

Die 41-jährige Informatikspezialistin Tina Flauger engagierte sich erst als Betriebsrätin und Gewerkschafterin, heute zusätzlich als linke Politikerin, die das Flächenland Niedersachsen in seiner konservativen Lethargie verändern will. »Es kann nicht sein, dass die einen Kaviar von goldenen Löffeln essen und die anderen fast gar nichts zu essen haben. Ein reiches Land wie Deutschland darf nicht zulassen, dass Menschen in Armut leben«, sagt die Frau aus Wildeshausen. Der »Schröderbonus«, der Niedersachsens Sozialdemokraten bei der letzten Wahl noch ein wenig schmeichelte, sei passé, meint Tina. »In den vergangenen zwei Jahren hat sich das gesellschaftliche Klima deutlich zugunsten der LINKEN gewandelt. Das ist sicher nicht nur gefühlte Akzeptanz, das ist erlebter Zuspruch«, sagt sie. Als Beleg für ihre These führt Tina das Wohlwollen der Bürgerinnen und Bürger, aber auch der Medien an.

Stolz gehe sie heute mit ihrer leuchtend roten Tasche mit der Aufschrift »DIE LINKE« durch die Straßen. Neulich habe sie eine Rentnerin an der Straßenbahnhaltestelle angesprochen. Die alte Dame hatte gerade die Haushaltsdebatte des Bundestags im Fernsehen verfolgt und sagte zu Tina: »Der Gysi hat es denen aber wieder ganz schön gegeben. Gut so!« Tina Flauger freut sich über diese Anerkennung, die auch ihrer Arbeit gilt, als die Rentnerin ihr Glück für die Landtagswahl wünscht. Glück allein reicht Tina nicht. Sie weiß aus eigenem Erleben als Minijobberin, wovon sie redet: Der Antrag der Bundestagsfraktion DIE LINKE zur Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes habe die Arbeit vieler linksorientierter Menschen in Niedersachsen beflügelt und ist ebenso auf der politischen Agenda der niedersächsischen LINKEN wie der Kampf gegen die Privatisierung öffentlicher Einrichtungen und die Forderung nach kostenloser Bildung für alle Kinder und Jugendlichen vom Kindergarten bis zur Universität.

Außerdem ist Tina Flauger ein Punkt besonders wichtig. Die Gleichstellung von Frauen in Politik, Arbeitswelt, Sozialsystemen und Öffentlichkeit will sie zum zentralen Thema erheben. Lange, verrät Tina, sei sie gegen die Quotenregelung gewesen. Die Realität habe sie eines Besseren belehrt. »Frauen sind häufig politisch schwerer zu erreichen – und das will ich ändern«, sagt Tina Flauger. Sie hat in letzter Zeit häufig einen Traum, der ist schön und der ist konkret. Nachdem sie den Einzug als Abgeordnete in den Bundestag vor zwei Jahren knapp verpasste, möchte sie es am 27. Januar bei den Landtagswahlen in Niedersachsen schaffen.

Nach dem Aufwind für die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Berlin sind die Chancen für Frauen wie Tina Flauger, linke Politik nach Bremen auch in einem weiteren Landesparlament im Westen zu machen, groß.
Marion Heinrich

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