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Mehr Wertschätzung, mehr Anerkennung und mehr Lohn

Von Jutta Krellmann, erschienen in Lotta, Ausgabe 10,

Bundesweit streikten in den vergangenen Wochen Erzieherinnen und Erzieher. Seit dem 8. Juni 2015 ist der Streik ausgesetzt, es wurde eine Schlichtung vereinbart. Jutta Krellmann war mitten unter den Streikenden.

Ein vierwöchiger Streik ist für alle Betroffenen schwierig. Die Streikenden waren einem enormen Druck ausgesetzt: Zusätzlich zum finanziellen Druck bei einem so langen Streik plagte sie auch noch das schlechte Gewissen, Kinder im Stich zu lassen und deren Eltern organisatorische Höchstleistungen abzuverlangen. Diese Eskalation haben die kommunalen Arbeitgeber bewusst provoziert, anders ist der bisherige Verhandlungsunwillen nicht zu erklären. Deutschlandweit hatten sich mehr als 150.000 Beschäftigte am Ausstand beteiligt. Dabei ging es nicht nur um mehr Geld. Es geht vor allem um die längst überfällige Anerkennung ihres Berufsstands. Unsere Erwartung und die inhaltlichen Anforderungen an die Beschäftigten sind ständig gestiegen. Was nicht mithielt, waren die gesellschaftliche Wertschätzung und die Entlohnung. Bestimmte Forderungen brauchen eben den Druck eines Streiks, damit Bewegung in die Verhandlungen kommt.

Zur Erinnerung: Im Mai 2015 gab es eine Urabstimmung bei ver.di und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mehr als 90 Prozent der Organisierten hatten für den unbefristeten Streik gestimmt. Die Entschlossenheit der Beschäftigten und ihre Beteiligung am Ausstand waren erstaunlich kraftvoll. Ihr Strei zeigte deutlich, welche Folgen es für die Gesellschaft hat, wenn im Alltag so eine Dienstleistung wie Kinderbetreuung und –erziehung ausfällt.

Im April besuchte ich die Streikenden in Hannover, auch in meinem Wahlkreis Hameln- Pyrmont beteiligten sich fast alle Einrichtungen am Streik. Täglich wurde gemeinsam im Streiklokal gefrühstückt, danach begannen die Aktionen. Im Mittelpunkt standen besonders die Arbeitsbedingungen. Physische und psychische Belastungen sind im Sozial- und Erziehungsbereich überproportional im Vergleich zu anderen Berufsgruppen. Das ist Arbeit an der Grenze der Leistungsfähigkeit. DIE LINKE bleibt bei ihrer Unterstützung zur Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Gute Arbeit, gute Löhne, gute Betreuung und gute Bildung für alle. Das muss drin sein!

Jutta Krellmann ist gewerkschaftspolitische Sprecherin der Fraktion

Informationskasten

Sozial- und Erziehungsdienste sind mehr wert!

Ergebnisse einer Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE

 • Die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten in der Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege sind Frauen in Teilzeitarbeit. Von den 1.222.425 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Stand Juni 2014) arbeiten 681.414 Beschäftigte (56 Prozent) in Teilzeit und 1.022.633 der Beschäftigten (84 Prozent) sind Frauen

 • Ein Drittel der Beschäftigten ist über 50 Jahre alt. Der Anteil verdreifachte sich in den vergangenen zehn Jahren. Im Jahr 2004 waren es 110.448  (17,6 Prozent), 2014 bereits 382.992 Beschäftigte (31,2 Prozent Jeder fünfte Beschäftigte hat einen befristeten Arbeitsvertrag; nahezu doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Je jünger die Beschäftigten, desto höher ist der Anteil an Befristungen. Insgesamt stieg die Anzahl der befristeten Arbeitsverträge von 163.000 (2004) auf 277.000 Beschäftigte (2013)

 • Die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Im Jahr 2004 waren es 26.142 Beschäftigte (4,2 Prozent) und 2014 bereits 90.614 Beschäftigte (7,4 Prozent)

Antrag der Fraktion DIE LINKE „Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe jetzt“ unter: http://gleft.de/W3

 

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