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Mehr Personal ins Krankenhaus

erschienen in Klar, Ausgabe 41,

Es war der vermutlich wichtigste Arbeitskampf im deutschen Gesundheitssystem – und Dana Lützkendorf war dabei. Die gelernte Intensivpflegerin ist Mitglied der ver.di-Betriebsgruppe an der Berliner Charité, einer der größten Universitätskliniken Europas. Einzigartig war die Forderung, mit der sie und ihre Kolleginnen und Kollegen den Klinikvorstand konfrontierten: Nicht mehr Lohn, sondern zusätzliche Pflegekräfte wollten sie durchsetzen. »Auf den Klinikstationen herrschte Druck, Hetze, immer mehr Stress«, erinnert sich Dana Lützkendorf. Die Zeit für die Patientinnen und Patienten sei immer knapper geworden. »Das wollten wir ändern«, sagt sie. 

In den Jahren 1995 bis 2010 ist die Zahl der Pflegekräfte bundesweit von rund 322.000 auf etwa 280.000 gesunken. In Deutschland muss sich eine Pflegekraft um durchschnittlich 10,3 Patientinnen und Patienten kümmern. In Norwegen liegt das Verhältnis bei 1 zu 3,8. Immer weniger Pflegepersonal muss immer mehr Patientinnen und Patienten in immer kürzerer Zeit versorgen. Darunter leiden Beschäftigte und Pflegebedürftige gleichermaßen. 

Die Auseinandersetzung mit der Charité dauerte mehr als vier Jahre. Im Frühjahr 2016 unterzeichneten die Gewerkschaft ver.di und die Charité einen Tarifvertrag, in dem erstmals eine Mindestbesetzung für Stationen vereinbart ist. »Wir haben etwas Historisches geschafft«, berichtet Dana Lützkendorf. Mittlerweile werde an der Charité neues Personal eingestellt. 

Bundesweit kämpft seitdem die Gewerkschaft ver.di für Tarifverträge, die die Krankenpflegerinnen und -pfleger durch Neueinstellungen entlasten und die Versorgung der Patientinnen und Patienten verbessern. Im Saarland fanden im Januar Warnstreiks an allen 21 Krankenhäusern statt. Auch dort geht es um bessere Pflege durch mehr Personal.

Die Fraktion DIE LINKE hat diese Arbeitskämpfe immer unterstützt – und tut das weiterhin. Zugleich fordert sie seit Langem eine gesetzliche Lösung für den Pflegenotstand an deutschen Krankenhäusern. Anfang 2016 hat sie den Antrag »Gute Arbeit – Gute Versorgung: Mehr Personal in Gesundheit und Pflege« in den Deutschen Bundestag eingebracht. Darin verlangt sie eine verbindliche gesetzliche Personalbemessung, die sich am tatsächlichen Pflegebedarf und einer bestmöglichen pflegerischen Versorgung ausrichtet. CDU/CSU und SPD lehnten den Antrag im Dezember des vergangenen Jahres ab, die Grünen enthielten sich. 

Das hält die Fraktion DIE LINKE jedoch nicht davon ab, sich weiterhin für mehr Personal in Gesundheit und Pflege einzusetzen: Denn mehr Personal im Krankenhaus ist besser für alle.

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