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Lebensgefahr im Krankenhaus

erschienen in Klar, Ausgabe 31,

Patientinnen und Patienten müssen um ihre Gesundheit fürchten

Dieser Fall sorgte Anfang 2012 für Schlagzeilen: Fünf Säuglinge sterben auf einer Frühchenstation des Klinikums Bremen-Mitte, weil sie sich mit Darmkeimen infiziert haben. Ein Untersuchungsbericht stellte später erhebliche Hygienemängel fest, die unter anderem auf Personalmangel zurückgeführt wurden. Das Risiko für Infektionen steige bei zu wenigen Pflegekräften, weil es an Zeit fehle, um die Hände zu desinfizieren.

Solche Infektionen in Krankenhäusern sind kein Einzelfall. Jedes Jahr infizieren sich bis zu 600.000 Menschen in Krankenhäusern mit Keimen, etwa 15.000 sterben daran.

Die Ursachen liegen in einer verfehlten Krankenhauspolitik. Die Finanzierung wurde auf Pauschalen umgestellt, je nach Diagnose. Für jede Patientin und jeden Patienten gibt es den gleichen Fixbetrag – unabhängig von der Schwere der Erkrankung oder ob die Kranken 90 oder 19 Jahre alt sind. Krankenhäuser stehen dadurch unter Druck, mit möglichst wenig Personal zu arbeiten. Dauert die Behandlung länger als pauschal veranschlagt oder treten Komplikationen auf, bleiben die Krankenhäuser auf den Kosten sitzen. Ärztinnen und Ärzte arbeiten unter der Vorgabe, dass Behandlungen vor allem rentabel sein müssen.

Um Kosten zu sparen, werden Patientinnen und Patienten häufig zu früh nach Hause geschickt. Oder aber zeitiger entlassen, um sie anschließend erneut aufzunehmen. Auch werden ihnen häufig unnötige, aber lukrative Behandlungen aufgedrängt. Über die Runden kommen die Krankenhäuser nur, wenn sie möglichst viele Fälle in möglichst kurzer Zeit mit möglichst wenig Personal behandeln.

Die Folge ist: Kliniken und Krankenhäuser kürzen beim Pflegepersonal. Häufig arbeitet auf einer Station nur eine einzige Pflegekraft im Nachtdienst; in den Tagdiensten hetzt das Personal im Dauerstress durch die Stationen. Fällt eine Pflegekraft krankheitsbedingt aus, klaffen Lücken im Dienstplan.

Für Patientengespräche, Beobachtung und Betreuung fehlt dem Pflegepersonal oft die Zeit. Bei den Mahlzeiten oder dem Gang zur Toilette müssen Patientinnen und Patienten häufig ohne Unterstützung auskommen. Medikamente können teilweise nicht mehr nach Zeitplan verabreicht werden.

Laut Pflegecheck der Gewerkschaft ver.di fehlen an deutschen Krankenhäusern 162.000 Beschäftigte, darunter 70.000 Pflegekräfte. In Deutschland betreut eine Krankenpflegerin im Durchschnitt 21 Patienten, in Dänemark sind es 10. In einem aktuellen Aufruf kritisieren Ärzte, dass diese Personalpolitik die Versorgung der Patienten manchmal unmöglich mache und in »Einzelfällen mittlerweile lebensgefährlich« sei.

 

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