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Kriegsdienst brutalisiert Männer und Frauen

erschienen in Lotta, Ausgabe 3,

Von Natur aus sind Frau nicht auf Frieden programmiert. Das Militär macht auch aus ihnen Kriegerinnen. Eine Betrachtung von Christiane Reymann.

Im August wurde eine junge Unteroffizierin in ihrer Kaserne vergewaltigt. Das stand auch im Magazin Focus und Leser kommentierten: Selber schuld! Frauen müssten in der »Männerwelt« Armee »leider damit rechnen, dass es zu Übergriffen kommt«. Ach ja? Wird der Mann beim Militär zum Tier? Wendet er sexualisierte Gewalt nicht nur gegen »Feinde« an, wenn etwa Bundeswehrsoldaten auf afghanische Totenköpfe masturbieren? Kriegsdienst brutalisiert alle, Männer und auch Frauen, wie die US-Soldatin, die im Gefängnis von Abu Ghraib irakische Gefangene folterte und erniedrigte. Von Natur aus ist der Mann ebenso wenig auf Aggression programmiert wie die Frau auf Frieden. Es ist das Militär, das aus Männern und zunehmend auch aus Frauen Krieger macht. Als die Armee sie in eine Uniform steckte, sie in das System von Befehl und Gehorsam, Tapferkeit und Manneszucht, heute Disziplin genannt, einschmiedete, verloren Soldaten ihre Individualität und die Verantwortung für ihr Tun, mit fürchterlichen Folgen. Das Gleiche geschieht heute mit Kombattantinnen.

Vergewaltigung als Mittel des Kriegs

Beherrschen und Unterwerfen sind Kennzeichen von Militarismus, Patriarchat und dem entgrenzten Kapitalismus, der sich alle Regionen dieser Welt und alle Lebensäußerungen einverleiben will – mit Mitteln des Marktes und notfalls mit Krieg. Dann gehen die drei eine unverbrüchliche Allianz ein. Ihr Lebenselixier ist der Profit in einer Unkultur von Gewalt. So bleiben die archaischen Demütigungen von Vergewaltigung und Folter Mittel der Kriegsführung noch in hochtechnisierten Drohnenkriegen. Auch Sexindustrie und Prostitution sind nach Afghanistan, Kambodscha, Liberia, Sierra Leone oder Kroatien zusammen mit Soldaten, aber auch mit UN-Truppen eingezogen. Vor elf Jahren hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Deutschland verpflichtet, Frauen »gleichberechtigt« zum Dienst in der Bundeswehr zuzulassen. Alice Schwarzer schwärmte damals überschwänglich: »Jetzt tragen Soldaten Lippenstift.« Der kann aber Waffen nicht schönfärben und nicht die Lizenz zum Töten. Als Wehrfähige humanisieren Frauen weder Kriegsdienst noch Krieg, sie stärken vielmehr nach innen und außen die patriarchalen Machtstrukturen von Dominanz und Unterwerfung.

 

Christiane Reymann ist Journalistin und Autorin

 

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