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Kranke Arbeitswelt

erschienen in Klar, Ausgabe 36,

Immer mehr Beschäftigte leiden unter psychischen Krankheiten. Viele dopen sich im Job.

Der Befund ist dramatisch. In Deutschland haben psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt drastisch zugenommen. Im Jahr 2012 betrug die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund solcher Krankheiten mehr als 61 Millionen. Das sind fast doppelt so viele Fehltage wie im Jahr 2001.

Psychische Erkrankungen sind auch der häufigste Grund für Frühberentungen: Im Zeitraum von 1993 bis 2012 hat sich die Zahl der Anträge auf Erwerbsminderungsrente aufgrund von Depressionen, Burnout und ähnlichen Krankheiten fast verdoppelt. Betroffen sind überdurchschnittlich oft Frauen – besonders in Branchen, in denen Schichtarbeit, Wochenenddienste und Rufbereitschaft typisch sind. Das ergab eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag.

Auf Stress am Arbeitsplatz reagieren viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Doping. Knapp drei Millionen Menschen haben bereits verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um im Job leistungsfähiger zu sein oder um Stress abzubauen. 6,7 Prozent der berufstätigen Menschen haben schon einmal zu leistungssteigernden Pillen gegriffen, regelmäßig dopen sich  1,9 Prozent – das sind knapp eine Million Erwerbstätige.

Herausgefunden hat diese Zahlen die Krankenkasse DAK und sie in ihrem aktuellen Gesundheitsreport dokumentiert. Bemerkenswert ist ein weiterer Befund: Die Einnahme vermeintlich leistungsfördernder Medikamente steigt, je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Tätigkeit ist.

Diejenigen, die solche Medikamente nehmen, um beruflich Erfolg zu haben oder zumindest den Arbeitsplatz nicht zu verlieren, gehen ein hohes Risiko ein. Körperliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Schlafprobleme, Persönlichkeitsveränderungen und Abhängigkeit sind möglich.

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