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Kandidatin mit Profil

erschienen in Clara, Ausgabe 23,

Die Kandidatin der LINKEN für das Bundespräsidentenamt, Beate Klarsfeld,
 hat sich für die Verfolgung von Naziverbrechen weltweit Anerkennung erworben.

 

Eine schallende Ohrfeige machte Beate Klarsfeld in Deutschland berühmt. Damals, im November 1968, erklomm sie bei einem CDU-Parteitag in Berlin das Podium, auf dem der damalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger saß. Beate Klarsfeld verpasste ihm eine deftige Ohrfeige und rief: »Nazi, Nazi, Nazi.« Ziel der Aktion: Die deutsche Öffentlichkeit über die bis dahin kaum diskutierte Vergangenheit Kiesingers als NSDAP-Mitglied und hochrangiger Mitarbeiter des NS-Systems aufzuklären. Noch am selben Tag verurteilte ein Gericht sie in einem Schnellverfahren zu einer Strafe von einem Jahr Gefängnis, die später auf vier Monate reduziert und auf Bewährung ausgesetzt wurde. Zahlreiche Länder feierten sie als Heldin, in Deutschland hingegen galt sie vielen als Nestbeschmutzerin.   Fortan machte Klarsfeld wiederholt Schlagzeilen als »Nazi-Jägerin«. In Deutschland, Polen, Frankreich oder Südamerika begab sie sich auf die Suche nach untergetauchten Nazis und bemühte sich um deren Verurteilung. Zusammen mit ihrem französischen Mann Serge informierte sie die Öffentlichkeit über eine Reihe von unbehelligt lebenden Naziverbrechern. Wie etwa Kurt Lischka, den maßgeblich Verantwortlichen für die Juden-Deportation aus Frankreich, Alois Brunner, den Mitorganisator der »Endlösung der Judenfrage«, Ernst Ehlers, den »Endlöser von Belgien«, oder Kurt Asche, der von 1942 bis 1944 die Deportation von 25 000 Juden und Sinti nach Auschwitz verantwortete.   Der spektakulärste Erfolg der Klarsfelds war die Verhaftung und Verurteilung des ehemaligen Gestapo-Chefs von Lyon, Klaus Barbie. Der als »Schlächter von Lyon« berüchtigte Barbie lebte seit 1951 in Bolivien und wurde dort 1966 als Agent vom BND angeworben. Im Jahr 1972 entdeckten die Klarfelds, dass Barbie unter dem Namen Klaus Altmann in Bolivien lebte. In La Paz kettete sich Beate Klarsfeld vor seiner Villa an. Ende 1972 planten die Klarsfelds gemeinsam mit dem französischen Autor Régis Debray sogar, Barbie zu entführen. 1983 schließlich, nach dem Ende der Herrschaft des bolivianischen Diktators Banzer, wurde Barbie nach Frankreich ausgeliefert, wo er 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Beate Klarsfeld bezeichnete die Verurteilung Barbies in Frankreich als »wichtigstes Ergebnis ihrer zahlreichen Aktionen«.    Im Jahr 2009 hatte die Fraktion DIE LINKE Beate Klarsfeld für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. »Ohne ihr Leben sähe die Bundesrepublik Deutschland in jeder Hinsicht kulturell schändlicher und letztlich ärmer aus«, erläuterte Gregor Gysi damals. Für ihre Politik der Aussöhnung zwischen den verfolgten Juden und den Deutschen und ihre Hartnäckigkeit bei der Verfolgung von Naziverbrechern müsse ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen werden.    Weil Beate Klarsfeld in Paris lebt, war das von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) geleitete Auswärtige Amt zuständig. Es entsprach dem Wunsch nicht. Andere Länder hingegen schätzen ihr Engagement schon seit Langem. 1974 verlieh ihr Israel die »Tapferkeitsmedaille der Ghettokämpfer«. Der französische Präsident François Mitterrand ernannte sie 1984 zum »Ritter der Ehrenlegion« und 2007 folgte der Titel »Offizier der Ehrenlegion«. Klarsfeld sieht sich durch diese Auszeichnungen in ihrer Arbeit bestätigt: »Es bleibt dabei – ich setze mich ein, für die Völkerverständigung, und sehe mich immer auf der Seite der Opfer.«

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