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Immer noch große Unterschiede

Von Susanna Karawanskij, erschienen in Clara, Ausgabe 41,

Die Menschen in Ostdeutschland spüren die Unterschiede am eigenen Leib: Die Kollegin im Westen verdient mehr bei gleicher Arbeit, in fast allen Familien war oder ist jemand arbeitslos, jeder Ostdeutsche kennt jemanden, der von Hartz IV leben muss. Schon 26 Jahre Deutsche Einheit – aber noch immer gibt es großflächig Unterschiede zwischen Ost und West. In vielen Bereichen ist der Osten schlechter gestellt. Das Schönreden der Bundesregierung schafft da nur Frust. Dabei ist der Osten auch bei positiven Trends Spitze.

Spitze ist nämlich, dass mehr als doppelt so viele ostdeutsche Eltern wie westdeutsche sich nicht mehr altmodisch in das Korsett der Ehe zwängen, sondern ihre Kinder »unehelich« kriegen.

Spitze ist, dass es sich Ost-Frauen viel häufiger als westdeutsche Frauen zutrauen, ihre Kinder allein großzuziehen, statt zum Beispiel in kaputten Beziehungen zu bleiben.

Spitze ist auch die große Anzahl der Kinder in den Kindergärten, denn das erlaubt ihren Eltern beispielsweise, arbeiten zu gehen oder zu studieren.

Natürlich müssen die noch bestehenden Benachteiligungen beendet werden, zum Beispiel bei Löhnen und Renten. Aber zu gleichwertigen Lebensverhältnissen gehört auch, dass Ost-Vorbilder in ganz Deutschland eine Chance kriegen. Dafür werden wir uns weiter einsetzen.