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„Ich war aufgeregt, aber unsicher? Nein“

Von Birgit Menz, erschienen in Lotta, Ausgabe 10,

Birgit Menz ist die Neue in der Fraktion DIE LINKE. Bundespolitik ist neu für sie, das

 

Abgeordnetenmandat auch, sich politisch einzumischen dagegen nicht.

Birgit Menz kann sich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem sie mit ihrer Unterschrift bestätigte, den Platz in der Fraktion anzunehmen. Es war ein Freitag. Freitag, der 13. März. Dann schmunzelt sie, erzählt vom ungewollten „Fehlstart“ im Berliner Parlament. Unterzeichnet hatte sie ihren Vertrag in Bremen, ihrer jetzigen Heimatstadt. Als frischgebackene Abgeordnete dachte sie, es gebe danach ein offizielles Schreiben, eine Art Einladung vom Parlamentspräsidium. Das gab es aber nicht. Und während sie wartete, verpasste sie ihre erste Sitzungswoche. Kein Kavaliersdelikt, sagt sie, aber erklärbar und auf diese Weise machte sie auch ihre erste handfeste Erfahrung: Im sogenannten Hohen Haus läuft alles viel normaler als vermutet und – man muss sich schon selbst kümmern.

Geboren wurde Birgit Menz im Osten, in Suhl, im Mai 1962. Von Thüringen ging sie nach Leipzig, studierte an der Fachhochschule, lernte Buchhändlerin und Bücher wurden fortan – vor allem die, die sich mit Gegenwart beschäftigen - verlässliche Freunde und Wegbegleiter. Gleichzeitig begann sie sich für Politik, für Gesellschaft, für Zusammenhänge zu interessieren. Zu Beginn der 1980er Jahre trat sie in die SED ein, trat auch nicht aus, als sich mit der gesellschaftlichen Wende nicht nur das Land, sondern auch ihr ganz privates Dasein änderte. Den Umbruch sah sie als Chance, etwas neu zu gestalten und zu verändern. Damals, so sagt sie, sei sie „eigentlich schüchtern“ gewesen, aber plötzlich wurden „Kräfte wach, die sie nicht an sich kannte“. Birgit Menz suchte das offene Gespräch, ging auf Leute zu, klingelte an Haustüren, debattierte auf Straßen und Plätzen. Das macht sie heute immer noch gern. Am Infostand, zuhören und reden, immer im direkten Kontakt mit den Leuten. Jetzt allerdings in Bremen. Dorthin hat es sie 1997 verschlagen, der Liebe wegen. Das Gefühl von Zuhause oder Heimat geben ihr ohnehin weniger Orte als vielmehr Freunde, Kollegen, linke Mitstreiter, sowohl an der Basis als auch im Bremer Landesvorstand der Linken, dem sie angehört.

Jetzt also der Sprung in den Bundestag. Der ist schon so etwas wie ein Meilenstein. Zumal sie bislang keinerlei Erfahrung als Abgeordnete hat. Und so sei sie zwar „aufgeregt gewesen, aber unsicher? Nein“. Außerdem wurde sie sehr freundlich und von den „erfahrenen“ Frauen und Männern in der Fraktion begrüßt. Birgit Menz folgt auf Agnes Alpers. Die hatte sich als Expertin für Bildung und Ausbildung in der Fraktion DIE LINKE und im Parlament einen Namen gemacht, war jedoch am Ende der vergangenen Legislaturperiode während einer Plenardebatte zusammengebrochen und ins Koma gefallen. Daraus erwachte sie wieder, doch den aufwendigen Politikjob schafft sie nicht mehr. Das zu entscheiden, dafür ließ die Fraktion DIE LINKE ihr alle Zeit. Für Nachfolgerin Birgit Menz war es vor allem eine Zeit der „eigenen Traurigkeit“. Denn die Hoffnung, „der Gesundheitszustand bessert sich, sie schafft es“, blieb bis zum Schluss. Jetzt ist der Staffelstab übergeben, aber Birgit Menz, die übrigens einen ähnlich üppigen Haarschopf trägt wie ihre Bremer Vorgängerin, sagt souverän, sie trete nicht in deren Fußstapfen. Das könne und wolle sie auch gar nicht. Ihr Fachgebiet ist der Ausschuss für Umwelt, Natur, Naturschutz, Bau und Reaktorwesen. Da fühlt sie sich kompetent, das sei ein Bereich, in dem sich Mensch und Umwelt, sprich Soziales und behutsamer Umgang mit Ressourcen, sehr gut zusammendenken und entscheiden lassen. Das will sie angehen. Dafür bleiben ihr noch gute zweieinhalb Jahre Zeit. Dann wird schon wieder neu gewählt.

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