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Grüne Bohnen statt grauer Beton

erschienen in Lotta, Ausgabe 4,

Immer mehr Menschen widmen sich der urbanen Landwirtschaft. Die US-Amerikanerin Kate Baird gehört zu den Pionierinnen dieser Bewegung.

Kate Baird leitet in Minneapolis einen Gemeinschaftsgarten, in dem Menschen aus der Nachbarschaft auf umweltschonende und nachhaltige Weise Obst, Gemüse und Blumen anpflanzen. Einen Teil der Ernte, ohne Kunstdünger und chemische Schädlingsbekämpfung erbracht, spendet das nichtkommerzielle Projekt an Einrichtungen für Obdachlose oder verkauft sie auf dem lokalen Wochenmarkt. "Wir unterrichten außerdem junge Menschen über Lebensmittelproduktion vor Ort und gesunde Ernährung", erläutert die 38-Jährige.

Mit ihrem Verein gehört Kate Baird zu einer beständig wachsenden Gartenbewegung, die in den USA und in Europa die Metropolen erobert. Ursprünglich zielte diese Bewegung darauf ab, öffentlichen Raum durch die heimliche Aussaat von Pflanzen zu verschönern. Mittlerweile hat sich das Phänomen zur urbanen Landwirtschaft weiterentwickelt und erfreut sich auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit.

Vor allem in den Großstädten greifen immer mehr Menschen zu Hacke und Spaten, pflanzen Kartoffeln auf Industriebrachen an oder ziehen in Hinterhöfen Gartenkräuter. Die wilden Klein- gärten auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin oder das interkulturelle Gartenprojekt in Saarbrücken sind nur zwei von vielen Projekten, die den Boom dieser Bewegung widerspiegeln.

Gemeinsam ist den meisten dieser Initiativen, dass sie mittels dezentraler Lebensmittelproduktion eine Alternative zu international agierenden Agrokonzernen darstellen und das Prinzip der lokalen Selbstversorgung mit Leben erfüllen. Zudem begreifen sie den Anspruch auf hochwertige Lebensmittel als ein allgemeines Recht aller Menschen. Vielen dieser Aktivistinnen und Aktivisten geht es folglich "grundsätzlich um die Gestaltung ihrer Stadt und der Gesellschaft", schlussfolgert der Autor Jochen Schilk.

Auch das Gartenprojekt von Kate Baird aus Minneapolis verfolgt einen umfassenden politischen Anspruch. "Wir sammeln praktische Erfahrungen mit kollektivem, gemeinsam bewirtschaftetem Eigentum", sagt sie. Im Vereinsstatut heißt es, der Verein wolle die Schönheit des Gartens für alle Menschen der Nachbarschaft bewahren und die Früchte der gärtnerischen Arbeit mit ihnen teilen.