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Größter Erfolg gelang in Benin

erschienen in Querblick, Ausgabe 2,

Verein (I)NTACT kämpft weltweit gegen Beschneidung von Mädchen und Frauen

Noch immer gibt es Staaten, in denen die weibliche Genitalverstümmelung nicht geächtet wird. Christa Müller, Vorstandsmitglied der saarländischen Linkspartei.PDS, engagiert sich in diesem Verein und wirbt mit der Organisation um weltweite Unterstützung.

Sie haben sich seit Jahren dieses Themas angenommen. Welche Erfolge sind Ihnen mit (I)NTACT im Kampf gegen die Genitalverstümmelungen inzwischen gelungen?

Christa Müller: Wir haben in allen Ländern, in denen wir mit (I)NTACT aktive Aufklärung betreiben, Erfolge erreicht. Die Anzahl der Beschneidungen hat abgenommen. Der größte Erfolg seit zehn Jahren ist aber in Benin gelungen. Wir haben dort mit der Regierung im April 2005 das Ende der Tradition der Genitalverstümmelung gefeiert. Außerdem spüren wir in den Regionen, wo wir mit Vertretern von (I)NTACT präsent sind, dass auch die Frauen, die die Beschneidungen ausführen, die Aufklärung annehmen und sich auf eine andere Tätigkeit orientieren. Wir versuchen diesen Frauen mit Kleinkrediten den Neuanfang zu erleichtern.

Internationale Islamgelehrte verabschiedeten im November 2006 in Kairo einen Beschluss in Form einer Fatwa, wonach weibliche Genitalverstümmelung ein strafbares Verbrechen ist und gegen die höchsten Werte des Islam verstoße. Welche Auswirkungen wird das denn nach Ihren Erfahrungen haben?

Diese Entscheidung ist in jedem Fall hilfreich, auch wenn die Beschneidungen der weiblichen Genitalien in Westafrika, wo (I)NTACT hauptsächlich Aufklärung betreibt, in der Regel nicht im Namen des Islam ausgeübt werden. Aber im Osten und auf der arabischen Halbinsel wird die Fatwa bei der Bekämpfung der weiblichen Beschneidungen helfen.

Was viele Menschen sicher nicht wissen, ist die Tatsache, dass in Deutschland ca. 20000 Frauen leben, die bereits beschnitten in unser Land eingewandert sind, und dass etwa 4000 Mädchen in deren Familien Opfer der Beschneidung werden könnten. Welche Erwartungen haben Sie in diesem Zusammenhang an die deutsche Politik?

Dringend notwendig wäre eine Entscheidung auf Bundesebene, die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder obligatorisch durchzuführen. Warum Frau von der Leyen das nicht unterstützt, ist nicht nachvollziehbar. Verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen böten die Möglichkeit, die Immigrantenfamilien über die schlimmen gesundheitlichen Folgen der weiblichen Beschneidung aufzuklären und sie davon zu überzeugen, ihre Töchter nicht verstümmeln zu lassen. Ich erwarte zudem von Ärzten und Hebammen einen sensiblen Umgang mit eingewanderten Frauen, die von den Beschneidungen betroffen sind, und ihnen gegebenenfalls mit kosmetischen Operationen zu helfen.