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Frauenrechte in Afghanistan – kein Thema für die Bundesregierung

Von Christine Buchholz, erschienen in Lotta, Ausgabe 3,

Erst verschwiegen, dann billig abgespeist, jetzt vergessen: die Frauen und Kinder des Bombardements in Kundus. Beobachtungen drei Jahre danach.

Drei Jahre nach der Bombardierung von Kundus ist die Lage vieler Opferfamilien katastrophal. Die Bombardierung auf Befehl der Bundeswehr hatte damals 142 Menschen das Leben gekostet. 91 Frauen verloren ihre Ehemänner, und damit den Ernährer der Familie. Seit dieser Bombennacht wissen sie nicht, wie sie ihre Kinder Tag für Tag ernähren sollen. Acht Witwen und ihre Kinder, die keinerlei Einnahmen haben, überleben zurzeit nur auf Grund privater Spenden. Einige Witwen, so berichtete mir Karim Popal, der deutsche Anwalt der Opfer, wurden von ihren Verwandten an wohlhabende Männer verkauft, da die Herkunftsfamilien sie nicht mehr länger miternähren können. Etliche Kinder wachsen in fremden Familien auf, da sie nicht mit ihren verkauften Müttern in die neuen Familien aufgenommen wurden.

Die Schuld für das Leid dieser Frauen trägt die Bundesregierung. Im August 2010 bezahlte die Bundeswehr an 90 Familien einen Pauschalbeitrag von 5000 Dollar, das sind rund 3 800 Euro. Ein Versuch, sich billig aus der Affäre zu ziehen: Bislang hatte die Regierung bis zu 33 000 Dollar gezahlt, wenn afghanische Zivilisten von deutschen Soldaten getötet wurden. US-Militärstellen hatten diese Summen als zu hoch kritisiert. Und: Nicht alle Opferfamilien erhalten Hilfe, da die Bundesregierung sich auf die niedrigeren Opferzahlen der regierungsnahen Afghanischen Menschenrechtskommission AIHRC beruft. Aus den »freiwilligen« Zahlungen lässt sich juristisch kein Eingeständnis der Schuld ableiten. Die Bundesregierung sichert sich so gegen Schadensersatzansprüche und für zukünftige Kriege ab.

Christine Buchholz

ist friedenspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, im Jahr 2010 traf sie sich in Kundus mit Betroffenen der Bombardierung

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