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Frauen übernehmen Verantwortung im Krisenherd Nahost

erschienen in Querblick, Ausgabe 3,

Linke Frauendelegation zu Gesprächen im Libanon und in Syrien
Zwischen zerbombten Häusern spielen Kinder. Das Straßenbild im Süden Beiruts, in einem schiitischen Stadtteil, ist geprägt durch aufgerissene Straßen, zerstörte Häuser und verunsicherte Menschen. Der Krieg gegen den Libanon im vergangenen Sommer mag aus den Medien verschwunden sein, seine Folgen für die Bevölkerung sind noch immer kaum absehbar.

Auch um sich ein authentisches Bild der jüngsten Kriegsschäden und -folgen im Libanon zu machen, besuchten die Abgeordneten Monika Knoche, Kirsten Tackmann und Heike Hänsel im April drei Tage den Libanon und Syrien. Mit engagierten Frauen vor Ort sprachen wir über ihre Vorschläge, die Kriegs- ?und Konfliktsituationen zu beenden. Außerdem ging es um das Einbinden von Frauen in Friedensprozesse.

Es sind vor allem Frauen, die ein Gros der humanitären Hilfe während des Krieges leisteten. Sie klärten über Krankheiten infolge des verschmutzten Trinkwassers auf oder versorgten Flüchtlinge aus dem Süden. »Wir gingen auf die Straße, um Kleidung für die Flüchtlinge zu sammeln«, berichtete uns die Vertreterin eines Frauenkomitees aus einem der palästinensischen Flüchtlingslager.

Es gibt aber auch weniger offen-sichtliche Auswirkungen auf Frauen. Politische Vorhaben wurden durch den Krieg verdrängt. Auch eine Initiative für ein Gesetz gegen Gewalt an Frauen wurde auf Eis gelegt. Dies ist aber besonders wichtig, da das Familienrecht auf 18 religiöse Gerichtsbarkeiten aufgeteilt ist. »Ihnen ist einzig gemeinsam, Frauen ?zu diskriminieren«, kommentierte dies Zoya Rouhana, Direktorin der Frauenrechtsorganisation KAFA. Gerade der Anstieg häuslicher Gewalt gehört jedoch zu den üblichen gesellschaftlichen Folgen nach Kriegsereignissen!

Häusliche Gewalt war auch bei den Gesprächen in Syrien ein wichtiges Thema. So trafen wir in Damaskus Maya Al-Rahabi, Autorin der ersten Studie über Gewalt an Frauen in Syrien, die 2006 veröffentlicht wurde.

Besorgt zeigten sich die Abgeordneten über zunehmende Verbote der wenigen zivilgesellschaftlichen Frauengruppen in Syrien. »Geheimdienstüberwachung und Ausreiseverbote lösen die Probleme nicht, im Gegenteil«, so Kirsten Tackmann. 
Jutta Kühl

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