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»Frauen tragen die größte Last«

erschienen in Querblick, Ausgabe 16,

Interview mit Staša Zajović, der Präsidentin von »Frauen in Schwarz« in Belgrad

Zehn Jahre nach der Verabschiedung der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates soll in Serbien ein Nationaler Aktionsplan beschlossen werden, der die grundsätzlichen Aussagen der Resolution über Frauen, Frieden und Sicherheit enthalten soll. Ana Veselinović hat darüber mit der Präsidentin von »Frauen in Schwarz« in Belgrad, Staša Zajović, gesprochen, einer bekannten Aktivistin der Friedens- und Frauenbewegung im ehemaligen Jugoslawien.

Wie hat die Zerstörung Jugoslawiens die Lage der Frauen verändert?
Die Frauen haben die größte Last des Krieges getragen. Sie waren am häufigsten Opfer von Militarismus und Nationalismus. Gleichzeitig war nur durch die unbezahlte und unsichtbare Arbeit der Frauen das Überleben in diesem Land möglich. In den vergangenen zwanzig Jahren waren die Frauen in Serbien die aktivsten Akteure der zivilen Gesellschaft. Sie haben alle Anti-Kriegs-Aktivitäten initiiert und wurden dafür oft dämonisiert. Nach dem Sturz Miloševićs im Jahr 2000 wurden die Frauen zu den größten Opfern dieser Übergangsphase mit ihren räuberischen Privatisierungen.

In Serbien wird derzeit ein Nationaler Aktionsplan für die Implementierung der UN-Resolution 1325 erstellt. Wird dies die Lage der Frauen verbessern?
Diese Resolution ist allgemein formuliert und stellt zuerst einmal ein bürokratisches Dokument dar. Wenn man in unserem Kontext über Frauen, Sicherheit und Frieden spricht, muss man über die notwendige gesellschaftliche Konfrontation mit der jüngsten Vergangenheit, über die Übernahme von Verantwortung für Kriegsverbrechen und das Insistieren auf die Bestrafung der Kriegsverbrecher ebenso reden wie über die wachsende Klerikalisierung, die Notwendigkeit von Anti-Diskriminierungsgesetzen, die sozialen Fragen, die wachsende Gewalt gegen Frauen und viele anderen Probleme des Alltags. In Serbien wurde die Resolution 1325 lediglich übernommen, um eine weitere Aufgabe auf dem Weg der europäischen Integration zu erledigen. Der deklaratorische Charakter der Übernahme der Resolution 1325 zeigt sich daran, dass der größte Teil der Zivilgesellschaft vom Prozess der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans ausgeschlossen war.

Wie schätzen Sie das reformatorische und emanzipatorische Potential der Resolution 1325 ein? Kann sie ein Werkzeug für Frauen sein?
Die größte Bedeutung dieser Resolution sehe ich in der Eröffnung einer Debatte über das Konzept von »Sicherheit«. Unser feministisch-antimilitaristisches Engagement hat immer den traditionellen militarisierten Begriff von »Sicherheit« in Frage gestellt. Für mich heißt »Sicherheit«, dass Roma-Kinder in die Schule gehen, dass Frauen in den Familien keiner Gewalt ausgesetzt sind, dass sie das Recht auf soziale Sicherheit haben. Wir sollten verstehen, dass es sich bei dieser Diskussion nicht um ein »Ghetto der Frauenfrage« handelt, sondern um Fragen, die uns alle angehen.

Das Interview führte Ana Veselinović, Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Belgrad. Übersetzung: Boris Kanzleiter

Weitere Informationen unter:

www.zeneucrnom.org

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