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Frauen sind im Alter oft arm dran

erschienen in Querblick, Ausgabe 12,

Das Thema Altersarmut ist hochaktuell und wird in den nächsten Jahren leider an Brisanz weiter zunehmen. Auch wenn es in den öffentlichen Debatten meist zu kurz kommt, betroffen sind besonders Frauen. Laut der Studie »Altersvorsorge in Deutschland« (AVID), beziehen Frauen nur etwa 60 Prozent der durchschnittlichen Rente von Männern. Zwar werden nach dieser Studie die Rentenansprüche der Neurentnerinnen in den alten Bundesländern in den nächsten 20 Jahren von 579 Euro auf 623 Euro leicht zunehmen. Doch damit liegen Frauen in Westdeutschland immer noch deutlich unter dem Grundsicherungsniveau von 637 Euro. Im Osten sinken im selben Zeitraum die Renten von 785 Euro auf 690 Euro und nähern sich so den niedrigen Westwerten langsam an.

Die Ursachen niedriger Frauenrenten liegen in den bestehenden unterschiedlichen Erwerbs- und Lebensbiografien von Männern und Frauen: Hierzu zählen die hohe Erwerbslosigkeit, prekäre Beschäftigung, die ungleiche Verteilung von Familien- und Pflegearbeit zwischen den Geschlechtern und natürlich die anhaltende Lohndiskriminierung von Frauen. Damit wird aber auch deutlich: Alterssicherungspolitik ist kein Reparaturbetrieb für eine verfehlte Sozial-, Arbeitsmarkt- und Geschlechterpolitik. Solange es keine spürbare Veränderung der geschlechterspezifischen Arbeitsteilung gibt, Frauen nicht die gleichen Berufs- und Karrierechancen haben, so lange wird es auch keine fairen und ausreichend vor Altersarmut schützenden Altersrenten für Frauen geben. Deshalb immer und zuerst: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Statt Privatisierung der Altersvorsorge ist die gesetzliche Rentenversicherung auszubauen und zu stärken.

Die gesetzliche Rente ist zu einer Erwerbstätigenversicherung fortzuentwickeln, geringentlohnte Jobs sind durch die Rente nach Mindesteinkommen besser zu bewerten, und zuletzt und vor allem sind in Zeiten des ALG-II-Bezugs wieder Beiträge an die Rentenversicherung zu zahlen, die nicht jede Perspektive auf eine vernünftige Alterssicherung vernichten. Diese Maßnahmen dienen einer besseren und durchgängigeren rentenrechtlichen Absicherung von Frauen. Wichtig ist zudem, dass Sozial-, Arbeitsmarkt- und Familienpolitik stärker zusammengebracht und Gesetze konkreter auf ihre geschlechterspezifischen Verteilungs- und Wechselwirkungen überprüft werden.
Volker Schneider, MdB, Rentenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE

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