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Frauen beim Protestieren oft Verfasserinnen im Geiste

erschienen in Querblick, Ausgabe 7,

Gut 75 Prozent aller Petitionen stammen von Männern
Wer die Statistik liest, könnte meinen, dass Männer sich gerne wehren, während Frauen ihr Leid eher ertragen. Doch die Statistik trügt. Zum einen kommt es immer wieder vor, dass Petitionen von Eheleuten oder von juristischen Personen in der Statistik den Männern zugeordnet werden. Weit wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass Ehemänner und Familienväter immer noch die Führungsrolle übernehmen und zur Feder greifen, wenn eigentlich ihre Frauen und Kinder betroffen sind.

So gesehen, verfassen viele Frauen die Petitionen im Geiste mit. Bei den Online-Petitionen kommt erschwerend hinzu, dass Internetnutzer noch immer mehrheitlich männlich sind.

Petitionen scheinen Männerdomäne zu sein. Nur ein Viertel aller 2007 eingereichten Petitionen an den Deutschen Bundestag haben Frauen als Absenderin, egal, ob per Post oder E-Mail. Bei den Öffentlichen Petitionen, die seit 2005 im Internet mitgezeichnet und mitdiskutiert werden können, liegt der Frauenanteil insgesamt sogar lediglich bei 15 Prozent. Männer dominieren sogar bei Sachthemen, die im Petitionsausschuss unter »Frauenfragen« und »Gleichstellungsrecht« eingestuft werden. Dazu gehören zum Beispiel die weltweite Stärkung der Frauenrechte oder das Asylrecht für Frauen, die in ihrer Heimat von Beschneidung bedroht sind.

Dennoch gibt es bei den Petitionen aber auch viele Sachgebiete, bei denen die Frauen die Nase vorn haben. So liegen sie derzeit bei Petitionen zum Erziehungs- und Elterngeld, zum Schulwesen und zu Heilberufen klar in Führung. Bei der Ausbildungsförderung, beim Unterhalts- und Erbrecht sowie beim Familienleistungsausgleich kommen die Frauen den Männern statistisch gesehen sehr nahe. Dem Tierschutz gebührt jedoch das Siegerpodest: Hier dominieren die Frauen klar mit zwei Dritteln. Auch bei den Öffentlichen Petitionen war eine Frau ganz vorn mit dabei: Die Petition von Désirée Grebel gegen die Ausbeutung von PraktikantInnen vor zwei Jahren fand 60000 UnterstützerInnen und ein breites Echo in den Medien. Der Petitionsausschuss befasste sich in einer öffentlichen Sitzung damit. Trotz dieser Lichtblicke gilt es, das Engagement der Frauen auch bei Petitionen zu stärken. Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen gibt es zur Genüge. Es ist daher dringend geboten, Frauen über ihre Rechte aufzuklären. Ich ermutige alle Frauen, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen und für sich selbst zu sprechen.
Kersten Naumann, MdB, Vorsitzende des Petitionsausschusses des Bundestages

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