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Flüchtlingsfrauen sagen: Es reicht!

erschienen in Lotta, Ausgabe 5,

Auch ihre Würde ist unantastbar. Flüchtlingsfrauen vernetzen sich bundesweit, organisieren ihren „Frauenkampf“.

Erstmalig gab es Ende April dieses Jahres eine bundesweite Flüchtlings-Frauen-Konferenz. Das Motto »Flüchtlingsfrauen sagen: Es reicht!“. Die Liste der dort diskutierten Forderungen ist lang: Abschaffung der Residenzpflicht, Recht auf eigene Wohnungen, Sprachkurse, Schul- und Berufsbildung für sich und ihre Kinder, Geld statt Gutscheine ...

Dabei geht es um Würde und Selbstbestimmung, oder wie sie selber sagen: „letztendlich um nichts anderes als unsere Freiheit!“ Sie haben viel geschafft: Sie überwanden Grenzen, Meere, die militärischen Flüchtlingsabwehrdienste zu Lande und zu Wasser, um die Festung Europa zu erreichen. Sie flohen vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Gewalt, auch sexueller. Nicht selten mit einem oder mehreren Kindern an der Hand. Sie verließen auf oft abenteuerlichen Wegen die Heimat, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. So auch die Frauen im Lager Breitenworbis in im Land Thüringen. Die meisten von ihnen sind Romni, Romafrauen aus Serbien oder Mazedonien.

Ihr Unterkunft in einem ehemaligen Landschulheim im Landkreis Eichsfeld, etwa zwei Kilometer vom Ort Breitenworbis entfernt, ist eine einzige Katastrophe: Dicht gedrängt leben dort 120 Menschen auf drei Etagen. Mit nur drei funktionierende Frauen-Duschen, zweimal am Tag zwei Stunden heißes Wasser und das im Keller, weit weg von den Wohnräumen. Pro Etage, für rund 40 Personen, steht eine Küche zur Verfügung. Doch nur in einer davon funktioniert der Herd. In unmittelbarer Nachbarschaft der Unterkunft befindet sich eine Klär- und Mastanlage.

Einige der betroffenen Frauen in Breitenworbis setzten sich zusammen und schrieben einen Protestbrief an die zuständigen Behörden. Darin heißt es: „Wir fühlen uns von der Gesellschaft isoliert und ausgegrenzt“.

So zu leben, ausgegrenzt und isoliert, weit entfernt von dem, was wir unter »normalem Alltag« verstehen, das kennt jede der Flüchtlingsfrauen auf der Konferenz. Wer so zu leben gezwungen wird, hat kaum Kraft und Zeit, sich zu organisieren. An dem Wochenende in Hamburg haben die Flüchtlingsfrauen sich beides genommen – und damit auch ihr Schicksal in die eigene Hand. Die Isolation und Ausgrenzung zu überwinden, das ist ihr gemeinsames Ziel. Dafür brauchen sie unsere Unterstützung.

Birgit Gärtner

 

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