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Eine Schule ohne Sitzenbleiber

erschienen in Klar, Ausgabe 13,

Die Fritz-Karsen-Schule in Berlin-Neukölln begeistert Schüler und Eltern

Berlin. Alissa Großkopf hat wenig Zeit. Gleich muss sich die Siebtklässlerin mit ein paar Mitschülern treffen, um ein Chemie-Experiment vorzubereiten. Das dauert manchmal etwas, denn nicht alle in der Gruppe sind so gut wie Alissa.

An der Fritz-Karsen-Schule im Berliner Problemviertel Neukölln werden schwache Schüler nicht
aussortiert. Schon vor vielen Jahren wurde an der Gemeinschaftsschule die Trennung in Gymnasiasten, Real- und Hauptschüler aufgehoben - bis zur zehnten Klasse lernen alle gemeinsam.
Für Alissa kein Problem: »Wenn die Stärkeren den Schwächeren helfen, lernen alle mehr«, sagt die 13-Jährige. Sie lehnt an einem Schaukasten mit Fotos des letzten Kunstprojektes. Auf der Mauer gegenüber steht
Artikel 26 der UN-Menschenrechtskonvention: »Jeder hat das
Recht auf Bildung«.

Für Schulleiter Robert Giese ist das keine leere Floskel: »Wir brauchen eine Schule, die niemanden ausschließt«, sagt er. Auch das Sitzenbleiben wurde an seiner Schule abgeschafft. Stattdessen organisiert die Schule spezielle Förderkurse für schwache Schüler. »In Finnland wurden so Lernblockaden überwunden, warum soll das nicht auch bei uns gehen?«, fragt der Pädagoge.

Die Fritz-Karsen-Schule ist der lebende Beweis, dass das Konzept »Eine Schule für alle«, wie es DIE LINKE fordert, funktioniert. Sie ist Vorreiterin unter den elf Berliner Schulen, die seit Sommer 2008 am Pilotprojekt Gemeinschaftsschule teilnehmen. Und Schulleiter Giese wirkte in der Arbeitsgruppe mit, die die Einführung der Gemeinschaftsschule vorbereitet hat.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Die Fritz-Karsen-Schule wird von Anfragen überschüttet, die Warteliste wird immer länger, das Leistungsniveau beim Abitur ist gut. Auch bildungsbürgerliche Eltern
schicken ihre Kinder auf die Gemeinschaftsschulen. Elternvertreter Lars Pillau ist Immobilienmakler, seine Tochter geht in die vierte Klasse. »Viele Akademiker aus der Umgebung melden ihre Kinder hier an, auch wenn diese Gymnasialempfehlungen haben«, sagt er.

An der Fritz-Karsen-Schule kommt ein Drittel der Schüler aus Elternhäusern, die von Hartz IV leben. Knapp 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben Migrationshintergrund. Wenige Kilometer entfernt liegt die Rütli-Schule, die mit Gewaltproblemen Schlagzeilen machte. Perspektivlosigkeit und Ausgrenzung nehmen vielen Jugendlichen die Lust am Lernen. »Aber
gerade hier ist die Gemeinschaftsschule die richtige Antwort«, versichert Schulleiter Giese, »Problemschüler müssen integriert und nicht ausgegrenzt

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