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Eine gute Rente für ein gutes Leben im Alter

Von Matthias W. Birkwald, erschienen in Lotta, Ausgabe 4,

Wie eine solidarische Rentenversicherung funktioniert und warum von ihr insbesondere Frauen profitieren, erläutert Matthias W. Birkwald.

Der Rentenversicherung ist es egal, ob eine Frau oder ob ein Mann bei ihr versichert ist. Alle werden gleich behandelt. Ist also alles in Ordnung?

Keineswegs. Denn die Rente behandelt Ungleiche gleich. Es sind Frauen, die zum größten Teil im Niedriglohnsektor arbeiten, einem Teilzeitjob nachgehen oder aufgrund der nach wie vor schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf teilweise oder sogar ganz auf Erwerbsarbeit verzichten müssen. 40 Prozent aller Alleinerziehenden in Deutschland sind auf Hartz IV angewiesen. 94 Prozent der erwerbsfähigen Allein-erziehenden in Hartz IV sind Frauen. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn nahezu zwei Drittel der Menschen, die im Rentenalter Grundsicherung erhalten, Frauen sind.

Frauen auf Ansprüche zu verweisen, die von der männlichen Erwerbsbiografie abgeleitet sind, ist weder wünschenswert noch machbar. Denn in den nächsten Jahren wird das Rentenniveau und werden mit ihm die Renten immer weiter absinken. Und kleine Männerrenten ergeben nun einmal winzige Witwenrenten.

Emanzipatorische Rentenpolitik bedeutet, dass auch im Alter Frauen sozialpolitisch nicht als Anhängsel ihrer Männer gesehen werden dürfen. Der Grundstein dafür muss auf dem Arbeitsmarkt gelegt werden, denn ohne gute Löhne gibt es keine guten Renten: mit einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, mit gleichem Lohn für gleiche Arbeit, mit einer Politik, die endlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Wirklichkeit werden lässt.

Doch all das würde jenen Frauen nicht helfen, die bereits heute nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben. Deshalb müssen Hartz-IV-Zeiten endlich wieder in der Rente als Beitragszeiten angerechnet und niedrige Einkommen müssen in der Rente höher bewertet werden. Und nicht zuletzt müssen Kinder, die vor dem Jahr 1992 geboren worden sind, in der Rente genauso viel zählen wie danach geborene      Kinder.

Niemand soll im Alter von weniger als 1 050 Euro leben müssen! Deshalb fordert DIE LINKE eine steuerfinanzierte, einkommens- und vermögensgeprüfte solidarische Mindestrente.

Das wäre ein Stück Unabhängigkeit. Vom Markt und von der Familie.

 

Matthias W. Birkwald ist rentenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE

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