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Eine Familienform unter Druck

erschienen in Klar, Ausgabe 33,

Alleinerziehende werden benachteiligt – in vielfacher Hinsicht

Sybille Groß (Name von der Redaktion geändert) hat zwei Söhne und eine Tochter im Alter von 13, 17 und 22 Jahren. Der Älteste studiert, die Tochter macht Abitur. Darauf ist die 48-jährige alleinerziehende Mutter stolz. Arbeit hat sie offiziell keine. Ehrenamtlich hilft sie in einer Einrichtung für Demenzerkrankte: Den Menschen im Heim liest sie Geschichten vor und singt mit ihnen. Eine Jobcentervermittlung in eine soziale Beschäftigung würde ihr gut gefallen. Bislang Fehlanzeige, sie und die Kinder leben von Hartz IV. 

Sybille Groß aus Brandenburg ist kein Einzelfall. Ein Viertel aller Haushalte dort sind Ein-Eltern-Haushalte. Ihr Einkommen liegt deutlich unter dem durchschnittlichen Haushaltseinkommen. Bundesweit ist jede fünfte Familie alleinerziehend. Und: Alleinerziehende müssen fünfmal so oft mit Hartz IV über die Runden kommen wie Paarfamilien. Das belegt die neue Studie »Alleinerziehende unter Druck«, herausgegeben von der Bertelsmann Stiftung. Insgesamt wachsen 2,2 Millionen Kinder bei nur einem Elternteil auf. 

Birgit Uhlworm, Geschäftsführerin des Brandenburger Landesverbandes Selbsthilfegruppen Alleinerziehender, sagt: »Ich habe es satt, immer neue Studien zu lesen. Alleinerziehende brauchen Taten, die Gleichstellung mit dem Modell Vater-Mutter-Kind.« Zum Beispiel wisse kaum jemand, dass Alleinerziehende fast genauso hoch besteuert werden wie Singles, erklärt sie.

Im März 2014 ließ Finanzminister Schäuble (CDU) verkünden, es gebe keine Steuerentlastung für Alleinerziehende. Dabei ist die überfällig. Neun von zehn Alleinerziehenden sind in Lohn und Brot. Vielen von ihnen reicht ihr Verdienst jedoch zum Leben nicht aus, sie müssen zusätzlich Hartz IV beantragen. Im Jahr 2013 waren bundesweit 39,2 Prozent aller Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern auf Hartz IV angewiesen. Brandenburg lag mit 40,1 Prozent sogar darüber.

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