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Editorial

Von Sabine Zimmermann, erschienen in Clara, Ausgabe 41,

 Liebe Leserinnen und Leser,

Oftmals sind ihre Zukunftschancen verbaut. Armut verfestigt sich. Wenn Eltern kein Geld für teure Nachhilfestunden aufbringen können, besteht die Gefahr, dass ihre Kinder schlechte Noten und später keinen guten Ausbildungsplatz oder Studienplatz erhalten.

Kinderarmut kann sich nicht verstecken. Sie ist sichtbar und muss konsequent bekämpft werden. Deswegen fordert die Fraktion DIE LINKE einen mehrjährigen Aktionsplan gegen Kinderarmut. Schulen müssen wieder ihren Bildungsauftrag für alle Kinder wahrnehmen, so dass keine außerschulische Nachhilfe nötig ist. Die sozialen Sicherungssysteme sind auszubauen: Statt Hartz IV muss es eine sanktionsfreie und armutsfeste Mindestsicherung geben. Wenn ein Pflegefall in der Familie auftritt, darf dies nicht die Garantie für Armut sein. Stattdessen müssen die Leistungen der Pflegeversicherung ausgeweitet werden. 1,7 Millionen arme Kinder haben alleinerziehende Eltern. Oftmals mussten diese die Ausbildung abbrechen, weil ein Kind zur Welt kam. Zum einen müssen die Jobchancen Alleinerziehender durch qualifizierte Ausbildungsabschlüsse gesichert werden. Zum anderen müssen konkrete Lösungen zur Kinderbetreuung geschaffen werden. Das Kindergeld ist auszuweiten und die Kinder- und Jugendhilfe zu stärken.

Kinder sind arm, weil ihre Eltern arm sind. Oft arbeiten sie im Niedriglohnsektor, sind befristet oder in Leiharbeit beschäftigt. Gute Arbeit und gute Löhne können die Armut der Eltern und damit der Kinder zurückdrängen.

Das Thema Kinderarmut bildet den Schwerpunkt dieser Ausgabe des Fraktionsmagazins clara. Des Weiteren sprach clara mit einer Tänzerin und einer Malerin über ihre berufliche Situation und ihre Chancen auf eine armutsfreie Rente. Über 300.000 Menschen demonstrierten am 17. September in sieben deutschen Städten gegen die Handelspakte TTIP und CETA. clara schildert, wie die EU-Kommission, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) die Handelsverträge trotzdem durchsetzen wollen. Außerdem beleuchtet die aktuelle Ausgabe die Folgen des Brexits.

Am 3. Oktober war Tag der Deutschen Einheit. Aber bestehen 26 Jahre nach der Wiedervereinigung noch Unterschiede zwischen Ost und West? Und wenn ja, welche? In der Gastkolumne fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, einen menschenwürdigen Hartz-IV-Regelsatz für Erwachsene in Höhe von 520 Euro. Zudem stellt clara Mieterparadies Wien vor, befasst sich mit der Gendergerechtigkeit bei der Filmförderung, analysiert den Bundeshaushalt 2017, beleuchtet die NS-Aufarbeitung in der Bundesregierung, stellt das Schwarzbuch Bundeswehr vor und vieles mehr.

Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche und kurzweilige Lektüre.

 

Sabine Zimmermann ist stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE