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Editorial

erschienen in Lotta, Ausgabe 7,

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

Europa hat gewählt. Obwohl ich nicht zu Alarmismus neige, macht mich die Wahl rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien sorgenvoll. Wenn sich Rassismus noch stärker in unser Alltagsleben frisst, sind nicht nur der soziale Friede bedroht und der kulturelle Austausch blockiert. Wir haben es dann auch mit einer wachsenden Gefahr für Leib und Leben von Flüchtlingen zu tun. Darüber hinaus pflegen rechtsextreme Ideologien ein Frauenbild mit dem übler Wind in die Segel der Lebensschützerinnen und anderer erzkonservativen Kräfte geblasen wird. Längst haben unterschiedliche Organisationen ihren Rollback gegen Frauenrechte begonnen. Deren ausgrenzender Wertekanon ist ein ums andere Mal mit Trans- und Homophopie gepaart. In Frankreich wurde nicht nur für, sondern genauso laut gegen die Gleichstellung der Lebenspartnerschaften demonstriert. In Spanien wird gerade an einem repressiven Abtreibungsrecht gebastelt. Im September soll unter der Flagge „Schutz des Lebens“ dieses repressive Menschenbild auf den Straßen verteidigt, Aufklärung und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Und auch die Verhinderung der rezeptfreien "Pille danach" und die Gefährdung des Hebammenberufes passen leider in diese Entwicklung.

Deshalb haben wir in dieser Lotta ein dickes Informationspaket geschnürt, welches besonders den Kampf um die Garantie der sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen in Europa thematisiert. Unsere Kolleginnen aus Brüssel berichten über die fraktionsübergreifende Zusammenarbeit im Frauenausschuss. Wir reden  über den völlig argumentationsfreien Widerstand der Bundesregierung, die sich entgegen ExpertInnenrat und guten Erfahrungen in anderen Ländern weigert, die „Pille danach“ rezeptfrei abzugeben. Die SPD wirft damit frauenrechtliche Positionen über Bord, die keine Koalition der Welt wert sind. Manch Menschen- und Familienbilder, so zeigt dieses Magazin, gehen gründlich an der Realität vorbei, beispielsweise am Leben der Regenbogenfamilien oder am Recht auf sexuelle Selbstbestimmung von Trans*menschen.

Natürlich lassen sich im Kaleidoskop der neuen LOTTA auch andere Entdeckungen machen. Etwa im Lebensalltag Alleinerziehender oder bei PinkStinks, eine bunte Frauentruppe, die mit erstaunlichen Aktionen für eine Erziehung ohne Pink und Glitzer werben oder das  care-macht-mehr-Manifest. Das und anderes in dieser Lotta ermutigt einfach zum politischen Einmischen.

 

In diesem Sinne

Ihre Cornelia Möhring

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