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Eastwoods Altersweisheit

erschienen in Klar, Ausgabe 14,

Clint Eastwoods neuer Film „Gran Torino“ wütet gegen Intoleranz und wirbt für Gemeinschaft.

Walt Kowalski, brillant gespielt von Clint Eastwood, ist ein Veteran des Koreakrieges. Bei Ford in Detroit war er Automobilarbeiter. Seine Frau hat der alte Mann vor kurzem beerdigt. Seine Kinder behandeln ihn mies. Und er fragt sich, warum nicht mehr so schöne Autos gebaut werden wie früher. Wohlwollend ist der Rentner nur noch zu seinem Hund Daisy, seinem irischstämmigen Friseur Martin und seinem sorgfältig gepflegten Auto, einem 1972er Gran Torino Sport.

Für seine Verbitterung glaubt er Gründe zu haben. Die alten Kollegen in der Nachbarschaft sind Farbigen und Asiaten gewichen. Nicht mehr Solidarität und Gemeinschaft regieren im Viertel, sondern ethnische Gangs. Und statt Sexappeal haben die modernen Autos hässlich aufgesetzte Heckspoiler.

Kowalski flucht und spuckt auf alles und jeden - bis man versucht, seinen Gran Torino zu stehlen. Plötzlich reißt es ihn aus seinem Einzelgängerdasein heraus. Der polnischstämmige Kowalski beginnt, mit den Vietnamesen zu reden, und öffnet sich Neuem. Er wird zum Nachbarn, der wieder gerne hilft und sich sogar beschenken lässt - bis ihn der Krieg der Gangs einholt.
Spätestens an dieser Stelle drängt sich der Vergleich zu einem anderen Klassiker auf. Während des Vietnamkriegs 1971 wurde Clint Eastwood mit Dirty Harry berühmt-berüchtigt, einem Film, in dem viele eine Selbstjustiz-Propaganda sahen. Walt Kowalski dagegen löst seine Probleme durch den Verzicht auf Waffengewalt. Im Laufe des Films macht sein Rassismus einem aufgeschlossenen Lernen über andere Kulturen Platz. Nicht mehr Feindbilder werden aufgebaut, sondern Vernunftlösungen gesucht. So hätte der 79-jährige Clint Eastwood seine USA gerne. Es macht Spaß, sich diesen Film anzuschauen, der den mit einem vierfachen Oscar ausgezeichneten Filmen „Erbarmungslos“ oder „Million Dollar Baby“ in nichts nachsteht.

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