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Dies & Das

Von Diana Golze, Sabine Zimmermann, erschienen in Lotta, Ausgabe 5,

Tipps im Telegrammstil

Aufbgehrt

Menschenhandel und Prostitution sind nicht dasselbe

Im Juni 2013 legte die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten vor. Damit wollte Schwarz-Gelb die lange verschleppte Umsetzung einer EU-Richtlinie zum Thema Menschenhandel noch vor der Sommerpause umsetzen. Der Entwurf läuft letztlich auf eine Verschärfung des Prostitutionsgesetzes hinaus. Er kriminalisiert die Prostitution insgesamt und erklärt sie zum überwachungsbedürftigen Gewerbe. Dagegen wehren sich selbstständige Sexarbeiterinnen. Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sei eine Menschenrechtsverletzung, die bestraft werden müsse, sie sei aber nicht gleichzusetzen mit einer selbstbestimmten Prostitution. Das machte auch die Anhörung im Deutschen Bundestag deutlich, an der als Expertin der LINKEN Stephanie Klee teilnahm. Sie fordert die Anerkennung der Prostitution als Arbeit, Respekt für Sexarbeiterinnen und eine Weiterentwicklung des Prostitutionsgesetzes.

 

Garantie

Das große Versprechen

Ab 1. August 2013 haben alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr Anspruch auf eine Kita-Betreuung. Der von der Bundesgerierung geschätzte Bedarf liegt bei 39 Prozent. Das ist ein Durchschnittswert, eine Fantasiezahl. Stuttgart bietet nach eigenen Angaben eine Versorgung von 53 Prozent, der Bedarf liegt jedoch bei 69 Prozent. In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen klaffen besonders große Lücken bei der Kita-Platz-Bereitstellung. Mecklenburg-Vorpommern dagegen kann den Rechtsanspruch erfüllen. Hohe Defizite gibt es beim Fachpersonal. DIE LINKE fordert einen besseren Betreuungsschlüssel, mehr qualifiziertes Personal und eine gute Bezahlung für die Erzieherinnen und Erzieher.

 

 

Rezension

Entdecken wir das Begehren

Die Coming-of-Age-Geschichte von Carolin Emcke über lesbisches, schwules und anders sexuelles Begehren ist eine zutiefst politische, wunderbar poetische und intime Reise. Man wird mitgenommen in die Höhen der Erfüllung, aber auch in die Abgründe von Ausgrenzungsprozessen einer zweigeschlechtlich strukturierten, heteronormativen Gesellschaft. Da verlangt die Norm Eindeutigkeit, Abweichung wird sanktioniert: bis in den (Frei)Tod. Emcke schreibt über einen fehlenden ‚dritten‘ Ort für Menschen, jenseits von Geschlechts-, Sexualitäts- und Körpernormen, über die Illegalität von Homosexualität in vielen Ländern der Welt. Es ist die Geschichte über eine Gesellschaft, die sich entschieden hat, wegzuschauen und „den gütigen Mantel der Toleranz, der letzten Endes Desinteresse und Gleichgültigkeit verbirgt“ über die verzichtbaren Positionen zu werfen. Das Buch ist ein sehr empfehlenswertes Zeugnis des persönlichen (Auf)Begehrens.

Carolin Emcke, „Wie wir begehren“, S. Fischer, 256 Seiten, 19,99 Euro

 

Nachgehakt

Wenn Oma früh zur Arbeit geht ...

... reicht die Rente nicht. Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, wollte im Juni 2013 von der Bundesregierung wissen, wie viel Rente Frauen und Männer beziehen. Laut Deutscher Rentenversicherung betrug 2012 fast jede zweite Rente weniger als 700 Euro monatlich. 48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner erhalten demnach weniger als die Summe, die Senioren im Schnitt als Grundsicherung im Alter inklusive Miete und Heizung zusteht. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Jahr 2012 darüber hinaus 812 000 Minijobber, die älter als 65 Jahre waren. 128 000 von ihnen waren sogar älter als 74 Jahre.

 

Kalender

Wir Frauen 2014

Der Kalender erzählt von klugen und mutigen Frauen, die aus der Reihe tanzen: von Revolutionärinnen des Arabischen Frühlings, Demonstrantinnen bei den Slut-Walks, Frauen, die Gesicht zeigen gegen Spardiktate und Bankenfütterung in Italien, Portugal, Griechenland und andernorts. Dabei sind aber auch Rebellinnen von „gestern“. Unter anderem Architektinnen und Städtebauerinnen. Christine de Pisan, die ihre »Stadt der Frauen« vor über 600 Jahren konzipierte. Dazu Zitate, Karikaturen, Fotografien, Zeichnungen, Prosa und Gedichte. Wir Frauen 2014 ist Kalender und spannendes Lesebuch in einem, mit viel Platz für eigene Notizen und Termine. Herausgeberinnen sind Florence Hervé, 1944 in Frankreich geboren, promovierte Germanistin, und Melanie Stitz, Jahrgang 1971, Redakteurin der Zeitschrift Wir Frauen, Kommunikationstrainerin und Publizistin.

Florence Hervé und Melanie Stitz „Wir Frauen 2014“, Taschenkalender, zahlreiche Abbildungen PapyRossa Verlag, Köln, 256 Seiten, 9,95 Euro, erhältlich ab August 2013

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