Zum Hauptinhalt springen

Die unerwünschte Genossenschaft

erschienen in Clara, Ausgabe 25,

Bundes- und Landtagsabgeordnete der Partei DIE LINKE gründeten die Wohn-genossenschaft FairWohnen, um sich am Bieterverfahren um 11 500 bundeseigene Wohnungen zu beteiligen. Im Sommer wurde sie aus dem Bieterkreis aussortiert.

Ein riesiger Wohnungsbestand in mehr als 40 Städten der neuen Bundesländer soll verkauft werden. Sie liegen häufig zentrumsnah, sind zu Teilen saniert oder modernisiert, auf jeden Fall in gepflegtem Zustand. Ein Gesamtpaket von 11 500 Wohnungen. Das sind sogenannte Treuhandwohnungen, die das Bundesfinanzministerium auf einen Schlag unter den Hammer bringen will. »Meistbietend« — nach der uralten Treuhanddevise.

DIE LINKE gründete – nachdem mit parlamentarischen Mitteln nichts zu erreichen war — eine Genossenschaft mit dem Namen FairWohnen. Ein programmatischer Name: Mieterinnen und Mieter sollten, bevor ihre Wohnungen an internationale Finanzjongleure verkauft werden, diese selbst kaufen und die Selbstorganisation und Selbstverwaltung ihrer Häuser übernehmen. Gute Beispiele dafür gibt es reichlich. Das linke Konzept stand auf soliden Füßen, auch finanziell, und wurde fristgerecht eingereicht. Das war im April diesen Jahres.

Drei Monate später, Mitte Juli, teilte die Barclays Capital Bank, die vom Bundesfinanzministerium mit dem Verkauf des ostdeutschen Wohnimmobilienpakets beauftragt wurde, mit, dass FairWohnen aus dem Bieterverfahren raus ist. Die Öffentlichkeit erfuhr es aus Pressemitteilungen. Dabei war und ist das Bieterverfahren vertraulich. Für Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder der Genossenschaft ist das bindend, sie mussten eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben. So bleiben nur Spekulationen über den wirklichen Grund des Rauswurfs der Genossenschaft.

FairWohnen hatte als einziger Bieter den Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner garantiert. Jetzt stehen noch sechs Interessenten auf der Liste: zwei klassische Immobilienunternehmen und die Finanzinvestoren Cerberus, Blackstone, Apollo und ein Fonds von Morgan Stanley.

Auch interessant