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Die Malerin und ihre »Trümmerfrauen«

erschienen in Lotta, Ausgabe 1,


Um Bettina Schilling zu treffen, muss man zwischen Potsdam und Berlin in ein Stückchen ehemaliges Niemandsland fahren. Groß Glienicke heißt der Ort. Weit vor dem Ortsschild, mitten im Wald, stehen rote Klinkerbauten. Die meisten inzwischen renoviert, aber von den Fassaden weht immer noch ein Hauch von Geschichte: Hier hauste einst das Militär. Schon im Kaiserreich, während der Weimarer Republik, dann trieben die Nationalsozialisten ihr Unwesen, und nach 1945 wurde es Kasernenland der DDR-Grenzsoldaten. »Spuren über Spuren«,  erzählt  Bettina Schilling. Sie und noch zwei weitere Künstlerinnen waren die ersten an diesem morbiden Ort, sie  »besetzten« das riesige Areal nach der Wende 1989. Das heißt, nur einen ganz bestimmten Teil – die Panzerhalle. Nach und nach kamen immer mehr Künstler. Die nach Öl und Schmiere riechenden Werkstätten wurden zu Ateliers und die Panzerhalle zur idealen Ausstellungshalle. 1995 gründete die Künstler aus Ost und West, aus Berlin und Brandenburg die Ateliergemeinschaft »Panzerhalle«. Bettina Schilling hatte damals gerade angefangen, sich als Künstlerin zu etablieren. »Als Künstlerin war ich spät dran« sagt sie. Mit Anfang 30 hatte sie sich an der Hochschule der Künste in Westberlin beworben. Zuvor war  sie Buchhändlerin, zehn Jahre lang. Mit Leidenschaft, doch die Kunst blieb der heimliche Traum. Bettina Schillings Bilder haben etwas ganz Besonderes. Irgendwie aus einem Guss, dabei sind sie doch aus vielen Einzelteilen zusammengesetzt. Auch ihre »Trümmerfrauen«. Die Figuren wurden einzeln gezeichnet, bemalt, ausgeschnitten und an die lange Atelierwand geheftet. Wie Silhouetten scheinen sie sich zu bewegen. Erst am Ende entsteht die Collage. Fügen sich die Figuren zu einem Ganzen. Seit Sommer 2011 sind die »Trümmerfrauen« im Sitzungssaal der Fraktion DIE LINKE zu sehen. »Für mich sind diese Frauen symbolisch«, sagt Bettina Schilling. »Denn es liegt an den Frauen, etwas Neues zu machen. Egal, welche Trümmer hinterlassen werden.« Eine schöne Botschaft, und sie scheint im Moment für viele Frauen in vielen Ländern zu stimmen.

 

Bettina Schilling: Zur Person
1951 geboren in Mannheim
ab 1969 Buchhändlerin in Berlin
1983 Beginn Politikstudium
ab 1984 Studium der Malerei an der HdK Berlin, Meisterschülerin
1994 Gründung Atelierhaus »Panzerhalle«
Ausgewählte Bilder im öffentlichen Raum:
Deutscher Bundestag
Paulinenkrankenhaus Berlin
Museu de Arte Moderna da Bahia, Brasilien
Sammlung der Guardini Stiftung
Berlinische Galerie