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Die Krise fegt zuerst die Frauen weg

erschienen in Querblick, Ausgabe 11,

UNO fordert Frauen in Schlüsselrollen zur Überwindung der Wirtschaftskrise

Das gehörte zu den Nachrichten der vergangenen Wochen: Abbau von 45000 Arbeitsplätzen in der Metallindustrie, unabsehbare Entlassungen im Dienstleistungsgewerbe. Die Regierungsparteien erließen in den letzten zwei Jahrzehnten Gesetze, die zu einer Vielzahl von ungesicherten und prekären Beschäftigungsverhältnissen führten.

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise machen um kaum ein Land der Welt einen Bogen, schon gar nicht um die Frauen. Selbst die UNO rief nach der Tagung des UN-Ausschusses zur Beendigung der Diskriminierung von Frauen am 6. Februar die Regierungen auf, Frauen eine Schlüsselrolle bei der Überwindung der aktuellen globalen Wirtschafskrise zu übertragen. Die Ausschussmitglieder befürchten, dass infolge der Krise auch die Anstrengungen für eine volle Gleichberechtigung nachlassen könnten. Die Gefahr wächst, dass gerade Mädchen und Frauen welt-
weit besonders unter den Folgen der Krise leiden. Es wird damit gerechnet, dass sie besonders von Arbeitslosigkeit, Mehrbelastung im Berufs- und Familienleben, Einkommensverlusten und der potenziellen Zunahme von Gewalt in der Gesellschaft betroffen werden. Daher sei es unabdingbar, den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Das bankrotte Island hat bereits reagiert. Dort leiten nach einem Regierungsbeschluss zwei Frauenverstaatlichte Banken. So soll eine neue Unternehmerinnenkultur eingebracht werden.

Ganz anders in Deutschland: Eine ernst zu nehmende Frauenquote in der Wirtschaft liegt in weiter Ferne. Die deutschen Wirtschaftsverbände sind ganz zufrieden mit der bisherigen Praxis der Bundesregierungen zur Gleichstellung in der Privatwirtschaft. So schlossen sie freiwillige Vereinbarungen mit dem Ziel, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Der Erfolg blieb aus, denn gehalten haben sie sich daran nicht. Alltag in Deutschland bleibt in vielen Betrieben und Einrichtungen stattdessen, dass in der Krise Frauen oft zuerst entlassen werden. Selbst in der Krise traut man in Deutschland den Frauen wohl nur wenig zu. 

Deshalb brauchen wir die Frauenquote! Die Unternehmen müssen dazu gesetzlich verpflichtet werden. Wir wollen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit!  Und wieder entdeckt auch die Sozialdemokratie ihr Herz für Frauen. SPD-Chef Franz Müntefering sprach sich Anfang Februar für die Frauenquote in Unternehmen aus. Eine späte Erkenntnis nach zehn Jahren Regierungsbeteiligung …

DIE LINKE bringt zum 8. März einen Antrag zur Gleichstellung in der Privatwirtschaft in den Bundestag ein. Die Parteien haben die Gelegenheit zuzustimmen, wenn sie die Gleichstellung wirklich wollen. (mehr dazu auf Seite3)
Barbara Höll, MdB

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