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„Die Gesellschaft spart durch Arbeitszeitverkürzung“

erschienen in Clara, Ausgabe 33,

Mats Pilhem, 58, ist seit dem Jahr 2010 als Stadtrat der Stadt Göteborg verantwortlich für Personalpolitik und Arbeitsmarkt. Er zählt zu den Initiatoren des Arbeitszeitverkürzungsprojekts.

Warum wird das Projekt gerade jetzt durchgeführt?   Mats Pilhem: Schweden leidet unter hoher Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig schlagen wir alle Rekorde in der Anzahl der Überstunden. Während die Produktivität und die Profite jahrelang enorm gestiegen sind, hat sich bei der Arbeitszeit seit ungefähr 40 Jahren nichts verändert. Ich finde, es ist an der Zeit, dass die Linke Alternativen präsentiert.   Ist das Modell mit rund einer halben Million Euro nicht viel zu teuer?   Wir meinen, dass der Preis gerechtfertigt ist. Das Projekt wird die Qualität der Pflege verbessern, weil es den Beschäftigten besser gehen wird und sie bessere Arbeit leisten werden.   Wie haben Sie denn Ihre Koalitionspartner dazu gebracht, dem Vorschlag beizustimmen?   Das Projekt war ein Teil des Abkommens mit Sozialdemokraten und Grünen zu Beginn der Wahlperiode. Das war wie immer eine Verhandlungssache.    Welche konkreten Effekte erhoffen Sie sich von dem Versuch?   Wir wollen zeigen, dass die Gesellschaft Geld sparen kann durch eine Arbeitszeitverkürzung. Zum Beispiel bei den Kosten für Krankschreibungen. Ich glaube auch daran, dass Menschen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, diese ein ganzes Arbeitsleben lang durchstehen können, wenn die Arbeitszeit verkürzt wird. Und ich bin mir sicher, dass die Menschen zufriedener sind, wenn sie mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen können. Aber ob wir das alles beweisen können nach einem einzigen Jahr, ist nicht ganz sicher.   Warum soll all das in Göteborg klappen, wenn Versuche, die andere schwedische Kommunen durchgeführt haben, keine nennenswerten Ergebnisse gehabt haben?   Diese Arbeitszeitverkürzungen sind nie ordentlich ausgewertet worden und haben auch andere Voraussetzungen gehabt. Wir wollen ein Gesamtbild des gesellschaftlichen Nutzens bekommen. Andernorts hat man sich in erster Linie um die kommunale Wirtschaft gekümmert.   Das Interview führte Henning Süssner.

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