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»Die Bewegung hat die Gewerkschaften wiederbelebt«

erschienen in Clara, Ausgabe 24,

Interview über die Proteste in Spanien mit Daniel Nieto Bravo, Aktivist der »Bewegung der Empörten« und Mitglied der Gewerkschaft der andalusischen Arbeiter (SAT).

Wie wirkt sich die wirtschaftliche Rezession in Spanien auf die Bevölkerung aus?

Daniel Nieto Bravo: Die Folgen von Arbeitslosigkeit – 50 Prozent unter Jugendlichen – und Sozialkürzungen sind dramatisch: Ein Viertel der Bevölkerung ist von Armut bedroht. Es gibt immer mehr Menschen, die kaum noch ihre täglichen Mahlzeiten bezahlen können.

Vor einem Jahr wurden in Spanien die ersten Plätze besetzt – die »Bewegung der Empörten«. Wie hat sie das Land verändert?

Tausende Menschen haben Basisdemokratie und Solidarität erfahren. Heute ist der Kampfgeist anders als vor zwei Jahren, als viele glaubten, dass sich nie etwas ändern werde. Die Bewegung hat auch die Gewerkschaften und die linken Organisationen wiederbelebt.

Was sind die wichtigsten Forderungen der Bewegung?

Wenn du den Kredit für deine Wohnung nicht mehr bezahlen kannst, wirft die Bank dich raus, aber du musst weiterbezahlen. Wir wollen, dass Zwangsräumungen von Wohnungen verboten werden. Wir wollen zudem wissen, woher die Staatsschulden kommen, wie viel davon auf Spekulation beruht, und uns weigern, diese Schulden zu bezahlen. Außerdem müssen die Steuern für die Reichen erhöht werden.

Die Gewerkschaften haben zwei Generalstreiks gegen Sozialkürzungen und den Abbau von Arbeiterrechten organisiert. Der konservative Regierungschef Mariano Rajoy zeigt sich unbeeindruckt. Wie geht es weiter?

Wir wissen, dass es schwer ist, in dieser tiefen Krise des Kapitalismus Zugeständnisse zu erzwingen. Deshalb ist unser Ziel, weiter zu wachsen und Kämpfe und Streiks aufzubauen, um die Kräfteverhältnisse so wie in Griechenland zu verschieben.

Das Interview führte Lucia Schnell.

Daniel Nieto Bravo ist Aktivist der »Bewegung der Empörten« und Mitglied der Gewerkschaft der andalusischen Arbeiter (SAT).

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