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Der Schlüssel für Kultur

erschienen in Lotta, Ausgabe 5,

Kultür ist die Kulturloge in Potsdam. Gegründet von Studentinnen, bietet der Verein Kunstgenuss für Menschen mit wenig Geld.

Im April 2013 öffnete Kultür in Potsdam, und bereits zwei Monate später hatten sich über einhundert Gäste angemeldet, um die kostenfreien Kulturangebote zu nutzen. Sie reichen von Puppentheater über Lesung, Galeriebesuch bis hin zum Fußballspiel live im Stadion. Gedacht sind sie für Frauen und Männer, die über weniger als 900 Euro Netto monatlich verfügen. Denn Kultur kostet, und das heißt, wer sich die Karten nicht leisten kann, bleibt draußen vor der Tür. Eine Beobachtung, die die vier Studentinnen der Fachhochschule Potsdam, die das Projekt Kultür auf den Weg brachten, machten und die sie bestätigt bekamen. Sie befragten Leute nach ihrem Kulturverhalten auf den Fluren des Arbeitsamts, beim Mittagstisch in der Suppenküche. Die Hürde, irgendwo hinzugehen, war immer das fehlende Geld.

Fast ein Jahr lang dauerte dann die Vorbereitung für das Projekt Kultür. Die jungen Frauen schrieben ein Konzept, Briefe an Kulturträger und Veranstalter, ebenso an soziale Partner, an Verantwortliche im Rathaus und luden am Ende alle an einen Runden Tisch. Das Ergebnis: Der Fußballclub SV Babelsberg 03 schrieb sich als erstes Mitglied von Kultür ein, die Höfischen Festspiele, die Villa Schöningen, die Urania und das Filmmuseum Potsdam folgten.

Inzwischen ist die Liste lang und prominent. Sie reicht vom Kabarett Obelisk, dem 1. FFC Turbine Potsdam, über das Sinfonieorchester Collegium musicum bis hin zum Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Alle stellen Freikarten zur Verfügung für Menschen, die teilhaben wollen am Kulturleben, aber zu wenig Geld besitzen. Das betrifft arbeitslose Akademiker, Frauen und Männer in Rente, Hartz-IV-Empfänger, Familien mit Kindern. Kultür öffnet für alle Betroffenen die Türen. Wer sich angemeldet hat, von der Tafel, dem Eltern-Kind-Zentrum, der Volkssolidariät oder welchem Sozialpartner auch immer den Einkommensnachweis bestätigt bekam, wird Gast und stets persönlich per Telefon zu einer Veranstaltung eingeladen. An der Abendkasse entfällt damit der demütigende Einkommensnachweis, man geht ins Theater, ins Konzert wie jeder andere Besucher auch.

Die Studentinnen freuen sich: Ihre Idee ging auf, täglich melden sich neue Kultür-Gäste an. Häufig verbunden mit einem Dankeschön. Eine junge Familie schreibt, endlich sei Kultur jeder Art wieder möglich, unabhängig vom sozialen Status.

Gisela Zimmer

Mehr Informationen unter www.kultuer-potsdam.de

 

 

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