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Das Bombodrom vor dem Gartenzaun

Von Kirsten Tackmann, erschienen in Clara, Ausgabe 29,

Vor vier Jahren erkämpften Bürgerinnen und Bürger das Aus für den Luft-Boden-Schießplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide. Kirsten Tackmann, die nur elf Kilometer vom ehemaligen Truppenübungsplatz entfernt lebt, war mittendrin.

Der 9. Juli 2009 war zunächst ein Tag wie jeder andere. Die parlamentarische Sommerpause hatte gerade begonnen, für mich als Bundestagsabgeordnete immer der Zeitpunkt, meine eigenen politischen „Wege übers Land“ zu machen oder mit der Brandenburger Landesgruppe auf Sommertour zu sein. Unterwegs im Auto hörte ich die Nachricht von einer Sonderpressekonferenz des CDU-Verteidigungsministers Jung.

Mir schoss es in den Kopf: Sollte der Verteidigungsminister ausgerechnet heute den Verzicht auf das Bombodrom als Luft-Boden-Schießplatz der Bundeswehr verkünden? Fast auf den Tag genau sechs Jahre nachdem SPD-Verteidigungsminister Peter Struck gegen den Willen der übergroßen Mehrheit der Menschen die Inbetriebnahme kraft seines Amtes einfach angeordnet hatte. Der Beschluss konnte damals juristisch zwar gekippt werden, aber die Nutzung des „Kriegsspielplatzes“ mitten in der Landschaft zwischen Kyritz-Wittstock-Neuruppin war damit noch lange nicht vom Tisch. Die Ereignisse an diesem 9. Juli überschlugen sich. Irgendwann war klar: Die Heide ist frei.

Erreicht hatten das die Menschen: Einwohnerinnen, Bürgermeister, Unternehmerinnen, Friedensaktivisten, Kirchenmitglieder, Künstler, aber auch Bundestags- und Landtagsabgeordnete. Diese Allianz des Aufbegehrens ist einmalig bis heute. Dabei hatte das Bündnis klein angefangen. Im August 1992 gründete eine Gruppe Unentwegter die Bürgerinitiative FREIe HEIDe. Unvergessen die inzwischen verstorbene Annemarie Friedrich, die „Mutter der FREIen HEIDe“, und Benedikt Schirge, Pastor und Sprecher des bürgerschaftlichen Widerstands. Keiner ahnte allerdings, dass 17 lange Jahre Widerstehen folgen sollten. Mit zermürbenden Gerichtsprozessen, mit Protesten, mit zunehmend heftigen Debatten in den betroffenen Landesparlamenten und im Bundestag. Denn längst stand die Frage, ob die Bundesregierung und das Verteidigungsministerium sich über eine so breite demokratische Mehrheit hinwegsetzen dürfen und ob der Bundestag als höchste demokratische Instanz es zulässt, dass dieses Stückchen Heimat gegen den Willen der Bevölkerung militärisch besetzt bleibt. Das Ende ist bekannt.

Noch am Abend des 9. Juli trafen sich viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter der FREIen HEIDe, des Freien Himmels und der Pro Heide zu einer spontanen Feier. Wir waren so stolz auf das gemeinsam Erreichte. Denn es war kein leichter Weg. DIE LINKE war Teil der Bewegung. Diese verlässliche aktive Unterstützung hat Vorbehalte überwunden und Vertrauen im Bündnis hinterlassen.

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