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Bei Paula Panke in guter Obhut

erschienen in Querblick, Ausgabe 11,

Erfolgreiches Berliner Projekt mit öffentlicher Beschäftigung
Klara ist an diesem grauen Berliner Morgen noch müde, als sie aufwacht und die freundlich zwinkernde Frau ihr Zimmer betritt. » Ach, Du bist ja schon da und Mami fährt bestimmt schon wieder ihre Straßenbahn.«

Klaras Mutter sitzt inzwischen  seit 4 Uhr morgens in ihrer Kabine und lenkt die Bahn durch das erwachende Pankow.  Die Kita öffnet 8 Uhr, ihr Job verlangt Schichtdienste früh und spät. Durch einen Zufall hat sie von einer Freundin erfahren, dass das Frauenzentrum Paula Panke  Kinder  im Alter von 1 bis 12 Jahren zu sozial verträglichen Preisen betreut, wenn beide Eltern oder ein Elternteil in flexiblen Zeiten arbeiten müssen. Die Betreuerinnen kommen nach Hause, holen und bringen die Kinder in die jeweilige Einrichtung. Sie sorgen auch bei Bedarf für Frühstück und Abendbrot, erzählen Gute-Nacht-Geschichten oder erklären, warum Bäume im Februar keine Blätter haben. Das alles zu moderaten Preisen, abhängig vom Einkommen.

Seit Gründung des Projekts Paula Panke ging es immer und vor allem um die Verbesserung der Lebens- und Erwerbsbedingungen für Frauen.  Denn, da sind sich  ältere und jüngere »Paulas« einig, ohne eigenständige Existenzsicherung, ohne ökonomische Selbstständigkeit kein wirklich emanzipatorisches Leben.
Bei Paula Panke gab es schon Großmutterbetreuungsprojekte und Betreuung in den Projekträumen, immer genau auf  die aktuellen Bedürfnisse der Frauen abgestimmt. Als Harald Wolf 2006, damals noch Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, uns ein Projekt des Öffentlichen Beschäftigungssektors vorschlug, gab es bei Paula Panke kein Zögern. Inzwischen beschäftigen wir fünfzehn  meist langzeitarbeitslose Frauen. Für viele ist diese Arbeit inzwischen eine Art Traumjob geworden.

82 Kinder aus 65 Familien können im Augenblick betreut werden. Die Namen weiterer 46 Kinder stehen auf der Warteliste. Der Bedarf wächst auch, weil gerade in Pankow wieder mehr Kinder geboren werden, weil Mütter arbeiten wollen.

Finanziert werden die Stellen der Betreuerinnen durch öffentliche und Gelder des Europäischen Sozialfonds. In Kürze laufen die Stellen aus und verhandelt werden muss für jede Frau neu, ob sie die Chance hat weiterzumachen oder wieder arbeitslos wird. Weitermachen wollen sie alle unbedingt. Damit das möglich wird, kooperiert Paula Panke mit anderen Projekten und sucht nach Verbündeten bei großen Unternehmen.

Für die Familien und gerade für alleinerziehende Mütter ist wichtig, wie verlässlich das Angebot ist. Ein permanenter Wechsel der Betreuungsperson ist für Kinder nicht zumutbar. Vielleicht schafft es ja Klaras Mutter irgendwann bis in den Aufsichtsrat ihres Unternehmens. Da, so sagt sie, würde sie sich dort für bezahlbare flexible Kinderbetreuung zu Hause oder in Kitas einsetzen und auch für gute Gehälter der Menschen, die Kinder betreuen.
Astrid Landero, Geschäftsführerin Paula Panke e.V.

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