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Auch wir sind Familie

erschienen in Lotta, Ausgabe 7,

Seit einem Jahr existiert das Regenbogenfamilienzentrum in Berlin. Wer sucht Rat und Unterstützung bei Ihnen, welche Angebote macht das Zentrum?

Constanze Körner: Zu uns kommen lesbische, schwule, bisexuelle und Trans*Menschen. Allein oder mit ihren Kindern. Unsere Beratungs-, Bildungs- und Gruppenangebote reichen vom Umgang mit Regenbogenfamilien in Kitas und Schulen bis hin zur Rechtsberatung und Treffen für Schwangere oder schwule Väter. Etwa 90 Prozent lassen sich zum Thema Kinderwunsch, Pflegschaft und Adoption in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften beraten.

 

Wie schwierig ist es für gleichgeschlechtliche Paare, sich den Kinderwunsch zu erfüllen?

Lesben und Schwule müssen sich genau überlegen, wie sie ihren Kinderwunsch realisieren wollen. Lesben haben dabei einen biologischen und rechtlichen Vorteil, wenn sie mit ihren leiblichen Kindern zusammen leben wollen. Sie müssen sich entscheiden, wo der genetische Erzeuger herkommt und ob er eine mögliche Vaterrolle einnimmt. Der Zugang zur Reproduktionsmedizin ist durch das Berufsrecht der Ärzte in Deutschland eingeschränkt, deshalb müssen sie aufwendige und teure Wege im In- oder Ausland auf sich nehmen.

 

Gibt es zum Umweg Ausland Alternativen?

Ja, die Mehrelternkonstellationen. Bis zu vier Eltern versuchen gemeinsam den passenden Weg für sich zu finden, wie Familienleben machbar wird sowohl auf rechtlicher als auch auf sozialer Ebene. Lesbische Paare leben auch als Pflege- oder Adoptiveltern. Für Schwule ist das ebenfalls eine Chance mit Kindern zu leben. Oder sie werden Teil einer Mehrelternkonstellation.

 

Was ist für rechtlich problematisch für Regenbogenfamilien?

Das Familienrecht ist auf zwei rechtliche Eltern ausgelegt. In Mehrelternkonstellationen muss entschieden werden, wer neben der leiblichen Mutter das zweite rechtliche Elternteil sein soll. Bei einer Eingetragenen Lebensgemeinschaft ist die Partnerin nämlich nicht automatisch gleichberechtigtes Elternteil.

 

Wo leben denn häufiger Kinder?

Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, dass etwa 75 Prozent Frauen und 25 Prozent Männer sich für ein Leben in einer Regenbogenfamilie interessieren. Bei den Männern in Mehrelternkonstellationen wohnen die Kinder meistens bei den Müttern. Insgesamt haben lesbische Mütter mehr Kinder als schwule Väter.

 

Gibt es eine zunehmende  Akzeptanz der Regenbogenfamilien?

 Ja, Regenbogenfamilien sind in der öffentlichen Diskussion, sie sind einfach sichtbarer. Und wir  bieten immer häufiger Informationsveranstaltungen und Fortbildungen an: für Multiplikatoren und Mitarbeiter in der Verwaltung, in pädagogischen Einrichtungen, Familienberatungsstellen und anderen Institutionen zum Thema Regenbogenfamilien. Das wird gut angenommen.

Das Gespräch führte Ulrike Hempel

 

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