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Angst um Arbeitsplätze - Bei First Solar gehen die Lichter aus

erschienen in Klar, Ausgabe 25,

Von der Schließung seiner Firma erfuhr Neels Wied aus der Zeitung: First Solar, sein Arbeitgeber in Frankfurt (Oder), macht zum Ende des Jahres dicht. Für den 21-Jährigen ein Schock. Erst vor einem Jahr hatte er dort seine Ausbildung zum Maschinenanlagenführer begonnen. »Es hieß immer: Übernahme garantiert«, sagt Neels Wied.

Als Wied im vergangenen Jahr den Ausbildungsplatz bekam, war es wie ein Sechser im Lotto. In einer seit der Wende von wirtschaftlichem Niedergang geprägten Region wie Frankfurt (Oder) ist ein guter Job selten. Umso überraschender war es, als sich um das Jahr 2007 Solarfirmen wie Odersun, Conergy und First Solar ansiedelten. Mehr als 2000 Arbeitsplätze entstanden in der Region. Die Solarindustrie wurde für die Stadt zu einer Zukunftschance, so wie in vielen anderen ostdeutschen Regionen.

Doch mit der Anfang des Jahres von der Bundesregierung angekündigten Reduzierung der Solarstromvergütung für Häuslebauer kam die Solarindustrie ins Wanken. Den Unternehmen liefen die Kunden weg und die ersten Firmen gingen in die Insolvenz: Solon in Berlin oder Q.Cells in Thalheim. Mittlerweile hat sich eine Art Flächenbrand entwickelt und Experten warnen, es drohe eine zweite Deindustrialisierung Ostdeutschlands. Bis zu 120 000 Arbeitsplätze seien in Gefahr – in den neuen Bundesländern, aber auch in Baden-Württemberg.

Für Neels Wied und seine Kollegen in Frankfurt (Oder) geht es nicht mehr um Warnungen. Ihre 1200 Arbeitsplätze wird es, wenn kein Wunder geschieht, bald nicht mehr geben. Im Werk diskutieren die Arbeiter mittlerweile darüber, die Produktionsstätten selbst zu übernehmen. Die Erfolgsaussichten dafür sind jedoch ungewiss.

Eine Werksschließung wäre auch für die Region ein enormer Verlust: Die Pleite wird die Stadt 28,5 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen kosten. Zudem gibt es Meldungen, wonach das Unternehmen sogar bereits gezahlte Gewerbesteuern in Höhe von fünf Millionen Euro zurückfordern will.

Vonseiten der Politik ist die Unterstützung für die Angestellten des Werks verhalten. Eine Ausnahme macht DIE LINKE, die in Frankfurt mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Nord und Landtags- und Europaabgeordneten ihr gesamtes Gewicht in die Waagschale wirft, um die Interessen der Beschäftigten zu verteidigen. Die rot-rote Landesregierung unterstützt eine Transfergesellschaft, die sicherstellt, dass die Werksangestellten nicht sofort in die Arbeitslosigkeit fallen. Und sie wollen noch mehr: Das rote Projekt eines sozial-ökologischen Umbaus (siehe Artikel unten) etablieren, damit im Osten nicht die Sonne untergeht.

Thomas Feske

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